Samstag, 29. Mai 2021

Neugestaltung Bischofsplatz: Guter Entwurf

Endlich wieder Außengastronomie in Limburg - wofür der Bischofsplatz mit drei traditionsreichen Betrieben ein Paradebeispiel ist.

Der Ortsbeirat hatte vor einiger Zeit auf Antrag der SPD-Fraktion beschlossen, eine Neugestaltung dieses Platzes in Angriff zu nehmen. Die Verwaltung hat dazu nun einen ersten Entwurf vorgelegt, der den Platz nicht nur schöner macht, sondern auch modernisiert.

Es soll (unter anderem) mehr Platz für Gastronomie, einen „Komfortstreifen“ für mehr Barrierefreiheit, zwei zusätzliche Bäume und ausreichend dimensionierte Fahrradabstellmöglichkeiten geben.

Viele Fragen sind noch offen, und die Perspektive der Anlieger muss Berücksichtigung finden. Aber mit dem vorliegenden (durchaus gelungenen) Entwurf ist der Anfang gemacht.

Die Altstadt sieht, was die Gestaltung der Plätze betrifft, in weiten Teilen noch aus wie in den 1970er Jahren. Es ist dringend Zeit, hier zu investieren. Die Neugestaltung des Bischofsplatzes wäre ein guter erster Schritt.

 


 

 

 

Donnerstag, 1. April 2021

Wegen "Gefahr in Verzug": Sieben Neumarkt-Platanen über Nacht gefällt

Nicht Vogelgezwitscher, sondern das Kreischen von Motorsägen hat die Neumarkt-Anwohner heute Morgen gegen 5:30 Uhr geweckt: Was ihre verschlafenen Augen dann sehen mussten, dürften die aus dem Schlaf Gerissenen ihr Leben lang nicht vergessen: Sieben Neumarkt-Platanen wurden gefällt – angeblich, so eine Pressemitteilung der Stadtverwaltung vom späten Mittwochabend, weil sie konkret umsturzgefährdet waren. Das jedenfalls habe ein aktuelles Baumgutachten ergeben, dessen Ergebnisse das Rathaus am Mittwochmorgen erreicht hätten.

„Wir mussten handeln, um Menschenleben zu schützen“ – so lassen sich Bürgermeister Dr. Marius Hahn und der Erste Stadtrat Michael Stanke auf der Internetseite der Stadt zitieren. Denn beim nächsten stärkeren Sturm sei mit erheblichem Astbruch zu rechnen gewesen. Die beiden Leiter der Stadtverwaltung wollen sich heute um 16:00 Uhr den Fragen der Öffentlichkeit stellen. Zu der Pressekonferenz im 37,7 Mio € teuren Glaspalast der ehemaligen Mundipharma-Konzernzentrale auf der Dietkircher Höhe sind zwar nur akkreditierte Journalisten zugelassen, sie wird aber auf dem städtischen Youtube-Kanal live übertragen.
 
Die einst so prächtigen Schatten- und Sauerstoffspender wurden unterdessen bereits zum Marktplatz transportiert (wo wir eben unser Foto aufgenommen haben) und dort aufgebahrt. Hahn und Stanke wollen der Bevölkerung über das Osterwochenende Gelegenheit geben, von den geliebten Bäumen in Würde Abschied zu nehmen. Eine Ehrenwache, bestehend aus sieben Mitarbeitern des Ordnungsamtes, steht rund um die Uhr vor Ort zur Verfügung, um die Einhaltung der Corona-Regeln zu überwachen und den Trauernden beizustehen. Am kommenden Dienstag werden die Platanen dann zum Sägewerk in Höhr-Grenzhausen gefahren.
 
Die große Frage ist, was der Verlust der sieben Platanen für die Zukunft des Neumarktes bedeutet. Fest steht, dass das Bürgerbegehren hinfällig ist, denn dessen Wortlaut zielte auf den „Erhalt der 20 Platanen“ - also nicht 13. Die Stadtverordnetenversammlung hätte mithin freie Bahn, doch noch die von Bürgermeister Dr. Marius Hahn seinerzeit vorgeschlagene Radikallösung (neue Bäume anstelle der alten) umzusetzen.
 
Unabhängig von formalen Fragen muss die Diskussion auch unter ästhetischen Gesichtspunkten neu geführt werden, denn aktuell sieht der Neumarkt aus wie ein gerupftes Huhn. Eine Umgestaltung mit 13 nun mehr oder weniger verstreut herumstehenden Platanen erscheint nur schwer möglich. Die Beauftragung und Erstellung neuer stadtplanerischer Entwürfe dürfte jedoch bis ins Jahr 2022 hinein dauern.
 
Es gibt noch eine weitere, sehr schnell wirksame Option: Einer Quelle aus der Stadtverwaltung zufolge soll das Gutachterbüro, das die Umsturzgefährdung der sieben nun gefällten Bäume nachgewiesen hat, „sehr kritisch“ prüfen, ob die 13 verbliebenen Platanen wirklich so gesund sind, dass sie stehen bleiben können. Damit ist alles andere als ausgeschlossen, dass der Neumarkt schon kommende Woche komplett baumfrei sein wird.
 
Die sieben Platanen lagern mittlerweile auf dem Marktplatz. Foto: Limblog

 

Mittwoch, 24. März 2021

Trauer um Berthold Conradi


Limburg trauert um Berthold Conradi, der vorgestern im Alter von 92 Jahren verstorben ist.

Mit Berthold Conradi verliert unsere Stadt einen Mitbürger und ehemaligen städtischen Bediensteten, von dessen Wirken wir noch heute profitieren, der aber sehr vielen Limburgern unbekannt sein dürfte. Denn Berthold Conradi war nie ein lauter Trommler in eigener Sache, sondern immer eher ein feinsinniger, höflicher, freundlicher und fleißiger Arbeiter im Hintergrund.

Zunächst als freier Architekt tätig trat er in den 1960er Jahren in die Dienste der Stadtverwaltung und wurde schließlich unter Bürgermeister Josef Kohlmaier Stadtbaudirektor. In dieser Funktion war er neben Stadtplaner Dr. Schirmacher maßgeblich für die damals fast revolutionäre und deutschlandweit vorbildhafte, vielfach preisgekrönte Sanierung der Altstadt verantwortlich. Als andere Städte ihre historischen Kerne noch „flächensanierten“ (ein Euphemismus für: abrissen), erkannte das kongeniale Trio Kohlmaier, Schirmacher und Conradi den unermesslichen potenziellen Wert des Quartiers mit seinen alten Häusern und Häuschen, Gassen und Gässchen, Plätzen und Plätzchen. Dass Berthold Conradi hier eine entscheidende Rolle spielte, ist kein Zufall, denn er war ein ungemein gebildeter, interessierter und belesener Mann. Ihm waren Kunst, Kultur und Geschichte zu wichtig, als dass er sich ein Limburg ohne Altstadt hätte vorstellen können.

Nach seinem Eintritt in den Ruhestand widmete Bertold Conradi sich seinen zahlreichen Hobbies und Interessen. Er musizierte für das „Salonorchester Zollhaus“, malte und zeichnete, beschäftigte sich mit nassauischer Numismatik und widmete sich der Genealogie der hiesigen Adelsgeschlechter. Er war lange Mitglied im Vorstand des Limburger Geschichtsvereins und zählte 1995 zu den Gründungsmitgliedern des „Fördervereins Limburger Schloss“.

 

 

Samstag, 30. Januar 2021

Ein neues Printmedium...

...werden die Limburger heute in ihren Briefkästen bzw. Zeitungsrollen finden: Die erste Ausgabe der Zeitung „Limburger Perspektiven“ (LP). Die LP stellen eine absolute Innovation auf dem Markt der Printmedien dar. Sie werden von einem unabhängigen Verlag mit einer unabhängigen Redaktion erstellt, dies allerdings auf Anregung und Bitte des Bürgermeisterkandidaten Stefan Laux. Laux will so Transparenz über seine Ziele für Limburg und seine Person herstellten.

Der 51-Jährige legt Wert auf die Tatsache, dass er keinen einzigen der Beiträge genehmigt bzw. – wie es im Zeitungsdeutsch heißt – „freigegeben“ hat. Ihm liege an einem unverstellten Blick von außen auf Limburg, die Stärken und Schwächen der Stadt sowie das Programm des Kandidaten Laux. Zudem sei es das erklärte Ziel der LP-Macher, in jeder Ausgabe möglichst viele Limburger direkt zu Wort kommen zu lassen.

Die Themen der aktuellen LP:

  • Die Limburger wollen Sicherheit und Sauberkeit. Das bestätigt eine aktuelle Forsa-Umfrage, über die die LP berichten.
  • Was erwarten die Limburger von einem idealen Bürgermeister?
  • Die Zukunft der Innenstadt nach Corona
  • Aufwertung der Limburger Grüngebiete (u.a. „Stadtpark Lahn“, Mehrgenerationenpark Offheim, Greifenberg)
  • Wie kann man den Reiz der Ortskerne zum Vorschein bringen?


Und es gibt eine Straßenumfrage zum „Wahlkämpfer Laux“. Dessen Herangehensweise beschreiben die befragten Limburger unisono als „zupackend“, „kreativ“ und „menschennah“. Laux bestimme seit Monaten die Agenda der politischen Debatte in der Stadt. Dazu das Limburger bzw. Offheimer Urgestein Kai Diefenbach: „Laux bewegt vieles, obwohl er noch gar nicht Bürgermeister ist.“

Die elektronische Version der Limburger Perspektiven gibt es hier.


 

Donnerstag, 28. Januar 2021

Plädoyer für eine ENTdigitalisierung der Grundschulen

Die Corona-Krise hat die Digitalisierung der Schulen in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt. Schon seit Jahren versuchen interessierte Kreise, die angebliche Notwendigkeit einer stärkeren IT-Ausrichtung und –Basierung des Bildungswesens herbeizureden. Limblog meint: Zumindest die Grundschulen brauchen nicht mehr, sondern weniger Digitalisierung. Dazu sieben Thesen:

 
[1] Spätestens seit der berühmten „Hattie-Studie“ ist wissenschaftlich untermauert, was der gesunde Menschenverstand schon seit der Antike weiß: Im Mittelpunkt jedes Bildungsprozesses muss der Lehrer stehen. Nicht die Technik. Nicht die Kultusbürokratie. Nicht die Frage Dreigliedrigkeit vs. Gesamtschule. Der Lehrer.
 
[2] Lernen ist ein emotionaler Prozess. Der Satz des Pythagoras und die unregelmäßigen Verben des Englischen werden besser verstanden und erinnert, wenn ihre Vermittlung mit Emotionen verknüpft sind. Jeder kennt Lehrer, von denen die Klasse begeistert war. Diese Begeisterung hat nicht deren fachliche Qualifikation ausgelöst, sondern die perfekte Mischung aus Empathie und Ausstrahlung einerseits und Konsequenz und Strenge andererseits. Solche Lehrerpersönlichkeiten kann kein Computer ersetzen. Und keine Technik der Welt kann die Emotionen transportieren, die solche Persönlichkeiten ausstrahlen.
 
[3] Es stimmt, dass die Informationstechnologie die Schlüsseltechnologie der Gegenwart und der Zukunft ist. Jeder junge Mensch muss darauf vorbereitet werden, mit dieser Schlüsseltechnologie umzugehen und sie idealerweise sogar selbständig weiterzuentwickeln. Die Frage (für die Grundschulen) ist nur, WIE man Kinder darauf am besten vorbereitet. Jeder spätere Erfolg – ob als Handwerker, IT-Experte, Hausmann oder Wissenschaftler – setzt (in dieser Reihenfolge) Empathie, Kreativität und Intelligenz voraus. Dafür brauchen wir keine „Laptop-Klassen“. 
 
[4] Empathische, kreative und intelligente Erwachsene haben dem Lehrer in ihrer Kindheit nicht beim Rumwischen auf einem Smartboard zugeschaut. Sie haben den Spunk gesucht, schöne Klassenausflüge gemacht und sich beim Betrachten der Wildgänse am Himmel gefragt, ob da nicht vielleicht doch ein Däumling mit seinem Hamster mitfliegt.
 
[5] Wer Kinder mit Computer-Algorithmen vertraut machen will, sollte ihnen im Grundschulalter die Zeit geben, sich mit den für sie wirklich relevanten Algorithmen zu beschäftigen. Das kann die Geheimsprache von Kalle Blomquist sein, die Abseitsfalle oder die Bauanleitung eines Lego-Sets.
 
[6] Die Corona-Notlösung, das Klassenzimmer teilweise durch Online-Unterricht zu ersetzen, ist kein Argument für die Digitalisierung der Grundschulen. Im Gegenteil: die Lockdowns haben erst recht gezeigt, dass möglichst nichts zwischen dem Lehrer und seinen Schülern stehen sollte. Und eine weitere Lehre aus der Pandemie ist: Unter der (in diesem Fall zwangsweisen) Digitalisierung der Grundschulen leiden diejenigen Schüler am meisten, die den direkten Kontakt zu ihrem Lehrer am nötigsten brauchen.
 
[7] Geld und Zeit sind endlich. Was in die Digitalisierung fließt, steht nicht mehr für Bibliotheksprojekte, Museums-Workshops und Sportfeste zur Verfügung.
 
Fazit: Dreh- und Angelpunkt jeder erfolgreichen Bildungspolitik müssen die Lehrer sein. Sie brauchen eine gute Ausbildung, eine hohe Motivation und ansprechende Arbeitsplätze mit der erforderlichen Ausstattung. Die Zukunft gewinnt jedoch ganz sicher nicht, wer in der Gegenwart ohne Sinn und Verstand Smart-Boards in die Klassenzimmer der Grundschulen hängt, gleichzeitig aber die Schultoiletten verrotten lässt, die Rektoren und Direktoren mit Bürokratie überhäuft und die Lehrer von einer Bildungsreform zu nächsten hetzt.
 

 

Montag, 11. Januar 2021

Update: CDU distanziert sich von Äußerungen des Kreistagskandidaten

Die CDU hat zu den Äußerungen eines ihrer Kreistagskandidaten folgende Stellungnahme abgegeben:

"Die Person spricht nicht für die CDU Limburg-Weilburg! Wir distanzieren uns von dieser Aussage. Die Bundesregierung leistet unter schwierigsten Bedingungen eine gute Arbeit. Das können auch unsere Mitglieder inhaltlich anders bewerten.

Die freie Meinungsäußerung ist für uns ein hohes gut, aber dieser Kommentar hat nichts, aber auch gar nichts mit sachlicher Kritik zu tun. Wir werden mit der entsprechenden Personen sprechen."

Kommunalwahl: CDU-Kandidat will Merkel "einsperren"

 "Diese ganzen Penner in Berlin gehören alle ... eíngesperrt!"

So steht es unter einem Facebook-Posting, das sich kritisch, aber sachlich mit der Corona-Politik der Bundesregierung auseinandersetzt. Der Verfasser des oben zitierten Kommentars geht einen entscheidenden Schritt weiter. Seine Forderung, "diese ganzen Penner" "einzusperren" (gemeint sind in erster Linie die zuständigen Mitglieder der Bundesregierung Merkel, Scholz, Spahn und Altmaier) erinnert fatal an die "Lock her up!"-Sprechchöre in Richtung Hillary Clinton, die während Donald Trumps Kundgebungen im Wahljahr 2016 zu hören waren - und von diesem auch befeuert wurden.
 
Wie und wo das enden kann, müsste spätestens seit dieser Woche jedem klar sein: unter anderem bei einem Polizisten im US-Capitol nämlich, dem die Fans derartiger Parolen mit einem Feuerlöscher den Schädel eingeschlagen haben. 
 
Als wäre das alles nicht schon schlimm genug, steht der Mann, der "diese ganzen Penner" "einsperren" will, auch noch auf der Kandidatenliste der CDU für die Kreistagswahl.
 
Vor diesem Hintergrund müssen sich die Verantwortlichen der CDU Limburg-Weilburgfolgende Fragen gefallen lassen und bitte auch beantworten:
  1. Hält die CDU Limburg-Weilburg die Mitglieder der Bundesregierung und die weiteren Verantwortlichen in Sachen Corona-Maßnahmen für "Penner"
  2. Meint die CDU Limburg-Weilburg, dass unter anderem Bundeskanzlerin Merkel einzusperren ist? Falls ja, auf welcher gesetzlichen Grundlage?
  3. Für den Fall, dass die ersten beiden Fragen mit "Nein" beantwortet wurden: Wie wohl fühlt die CDU Limburg-Weilburg sich mit diesem Kandidaten auf ihrer Liste?