Donnerstag, 2. April 2026

Immobilienpreise im Landkreis bis 2023 real rückläufig?

Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen. Das gilt nicht zuletzt für die Immobilienpreise, die sich auf einem Markt mit vielfältigen strukturellen Besonderheiten bilden. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat es trotzdem gewagt, auf Landkreisebene eine Prognose bis 2035 zu erstellen. Für unseren Landkreis kommt ein jährlicher realer Preisrückgang von bis zu einem Prozent raus. „Real“ bedeutet: nach Abzug der Inflation. Wenn also die Immobilienpreise nominal um zwei Prozent steigen, die Inflationsrate aber 2,5% beträgt, bedeutet das einen Preisrückgang um 0,5%.

 

An ein solches Ergebnis schließen sich natürlich viele Fragen an, zum einen zur Methodik (die auf der Website des Institutes beschrieben wird), zum anderen zu den der Prognose zugrundeliegende Annahmen (beispielsweise bzgl. Migration und Zinsniveau). Ganz generell muss hinterfragt werden, wie sinnvoll solche Zahlen sind, wenn sie weder die Lage noch den Immobilientyp berücksichtigen. Zwar ist eine Prognose auf Landkreisebene schon sehr feingliedrig, aber ein Einfamilienhaus in Möttau aus den 1960er Jahren hat mit einer Neubau-Penthouse-Wohnung in Limburg nur wenig gemeinsam.

 

Trotzdem gilt: Ohne Prognosen sind in der Gegenwart keine Entscheidungen möglich. Die IW-Studie ist sicher nicht der Weisheit letzter Schluss, aber trotzdem ein wichtiger Baustein für alle, die sich eine Meinung über den hiesigen Immobilienmarkt bilden wollen.

 

Link: www[PUNKT]iwkoeln[PUNKT]de/studien/pekka-sagner-warum-sich-regionale-maerkte-staerker-auseinanderentwickeln.html

 

 


Mittwoch, 1. April 2026

Baubeginn 1.4.2027: Limburger Priesterseminar wird Wohnpark für Einkommensschwache

In der Limburger Brückenvorstadt tut sich was: Das Bistum Limburg gibt das Priesterseminar auf – in dem Gebäude selbst und auf dem umliegenden Gelände (insgesamt 1,5 Hektar) werden in mehreren Bauabschnitten etwa 140 Wohneinheiten entstehen. Die Wohnungen sollen in erster Linie Einkommensschwachen zur Verfügung gestellt werden. Der Fokus liegt dabei auf Ein-Zimmer-Apartments für Singles und Wohnungen mit vier und mehr Zimmern für Familien. Der erste Spatenstich ist für heute in einem Jahr, also am 1.4.2027, geplant.

 

Ein Sprecher des Bistums teilte mit, die katholische Kirche in Ihrer Gesamtheit, aber insbesondere auch das Bistum Limburg, habe sich in der Vergangenheit allzu oft damit begnügt, gesellschaftliche Probleme per Gremien-Resolution anzuprangern und „die Politik“ bzw. „die Wirtschaft“ dafür verantwortlich zu machen. „Wir waren Resolutionschristen – jetzt wollen wir resolute Christen werden“, so das Bistum in einer Mitteilung wörtlich.

 

Es gebe keinen einzigen nachvollziehbaren Grund dafür, dass eine Institution wie die Kirche Sahnestücke wie die Priesterseminarimmobilie horte. Damit sei jetzt Schluss. Gleichzeitig sollen diejenigen Gebäude, die im Kircheneigentum verbleiben, vermehrt für die Unterbringung von Flüchtlingen und Obdachlosen genutzt werden. Entsprechende Gespräche mit den Sozialministerien von Hessen und Rheinland-Pfalz seien gerade angelaufen. Für die Verhandlungen hat das Bischöfliche Ordinariat eine siebenköpfige Arbeitgruppe mit der Bezeichnung "Projekt Mt 19,21" eingerichtet. Erste Ergebnisse sollen am 15. November 2026 vorliegen.

 


 

Freitag, 27. März 2026

Die derzeitige Diskussion über die Spritpreise ist maßlos übertrieben

Die derzeitige Diskussion über die Spritpreise ist maßlos übertrieben. Sicher gibt es Einzelne, die hart getroffen sind. Das rechtfertigt aber kaum die aktuelle Hysterie. Der Benzinpreis ist inflationsbereinigt auf keinem exorbitant hohen Niveau und die krisenbedingte Differenz zum Normalniveau spielt auch (individuelle Ausnahmen gibt es natürlich) keine besonders große Rolle als Anteil an den Ausgaben der privaten Haushalte. Ein Land, dessen Bewohner ihre Kinder mit dem Auto in die Schule bringen, für um 10 Cent billigeren Joghurt durch den halben Landkreis fahren und die Brötchen sonntags mit dem SUV holen, hat noch viele Möglichkeiten, Sprit zu sparen.
 
P.S.: Das Foto zeigt den täglichen Elterntaxi-Wahnsinn vor einer Limburger Grundschule. Jeder weitere Kommentar erübrigt sich.
 

 

Mittwoch, 18. März 2026

Erinnerung an die Opfer im Dombunker

[Bild&Text: Stadtverwaltung Limburg] 

Am 26. März 1945 erreichten amerikanische Truppen vom Westerwald kommend Limburg, am nächsten Tag endete für die Limburger der Zweite Weltkrieg. Neun Limburger Frauen, Männer und Kinder erlebten dies jedoch nicht mehr, sondern starben am 26. März im Dombunker, in dem sie Schutz gesucht hatten. An ihr Schicksal erinnert nun ein Hinweis auf dem Weg entlang des Mühlkanals der Lahn.

Das Schild steht direkt am Weg und an der Stelle, an der sich an dem dahinterliegenden Felsen der ehemalige und inzwischen verschlossene Zugang zu dem Bunker abzeichnet. Die Hinweistafel auf die neun Toten und die Vorgänge geht auf eine Initiative des kürzlich verstorbenen Günter „Ilo“ Butzbach zurück. Die Kosten für die Tafel hat der Ortsbeirat für die Limburger Kernstadt übernommen, der dafür einen Teil seiner Verfügungsmittel einsetzt.

Der Text auf der Tafel stammt vom Limburger Stadtarchivar Dr. Christoph Waldecker und erinnert an neun Opfer im Alter zwischen drei und 69 Jahren. Die auf der gegenüberliegenden Lahnseite anrückenden Amerikaner waren von einem Polizisten und einem Volkssturmmann vom Friedhof auf dem Domfelsen aus beschossen worden und hatten daraufhin das Feuer erwidert und dabei auch in den Dombunker geschossen.

Die Tafel erinnert an: Agnes Fiebig geb. Duchscherer (41 Jahre), Renate Fiebig (3), Paul Franke (69), Lina Franke geb. Fuckert (64), Else Krauss (35), Hans-Rudolf Müller (15), Margarete Schiefner geb. Gottert (50), Walter Vehling (37) und Jakob Wahl (45). Der Erinnerungstext befindet sich auch mit einer englischen und französischen Übersetzung auf der Tafel. 


 

Montag, 19. Januar 2026

Kommunalwahl Limburg: Freie Wähler und Volt treten an, SPD nicht mehr in Offheim aktiv

Am 15.3.2026 findet die nächste Kommunalwahl statt. Jetzt steht fest, welche Listen an diesem Tag zur Auswahl stehen. Dabei gibt es einige interessante Neuerungen.
 
Dazu zählt zum einen, dass es im linken Spektrum mit Volt einen neuen Mitspieler gibt. Die Partei sieht sich in Frankfurt aktuell Vorwürfen gegenüber, die Grenze zum israelbezogenen Antisemitismus nicht klar genug zu ziehen. Volt tritt zur Stadtverordnetenversammlung sowie zu den Ortsbeiräten der Kernstadt und Offheims an.
 
Die Auswahl der für den Offheimer Ortsbeirat zur Wahl stehenden Listen ist noch aus einem anderen Grund interessant: Die SPD wird am 15. März nicht auf dem Wahlzettel stehen. Das ist eine kleine Sensation, waren die Sozialdemokraten unter ihrem legendären Frontmann Heribert Reitz doch über Jahrzehnte DIE bestimmende Kraft des Stadtteils. 
 
Neben Volt haben auch die Freien Wähler (FW) die politische Bühne unserer Stadt betreten. Sie treten für die Stadtverordnetenversammlung sowie den Ortsbeirat Kernstadt an. Die Freien Wähler (FW) sind nicht zu verwechseln mit der Freien Wählergemeinschaft (FWG), die nur noch in Eschhofen aktiv ist, nachdem sie über Jahrzehnte mit Werner Laux an der Spitze eine herausragende Rolle in der Stadtpolitik gespielt hat. Die FWG ist eine Gruppierung kommunalpolitisch interessierter und engagierter Bürger, die sich vor Ort für ihre Kommune einsetzen möchten. Überörtliche Ambitionen haben solche Freien Wählergemeinschaften in der Regel nicht. Im Gegensatz dazu sind die Freien Wähler (FW) eine Partei, die bundesweit insbesondere wegen ihres Vorsitzenden Hubert Aiwanger bekannt sind. Die FW sind in den Landtagen von Bayern (dort sogar als Regierungspartner) und von Rheinland-Pfalz sowie im Europaparlament vertreten. Dieses Nebeneinander von Freien Wählergemeinschaften und Freien Wählern hat dazu geführt, dass für den Kreistag gleich zwei Listen mit dem Signum „Freie Wähler“(-gemeinschaft) kandidieren. Eine legendäre Szene in „Das Leben des Bryan“ lässt grüßen…
 

 

Samstag, 10. Januar 2026

Stadtverordnetenwahl vor 80 Jahren

Am 27. Januar vor 80 Jahren fanden die ersten Kommunalwahlen nach dem Zweiten Weltkrieg statt. Für die Stadtverordnetenversammlung von Limburg (damals noch ohne Stadtteile) stellten die CDU, die SPD und die KPD eine Liste auf. Vor den Wahlen gab es auch Wahlkampfveranstaltungen. Zu den beiden Archivfundstücken folgende Anmerkungen:

[1] Von den 52 Kandidaten waren fünf weiblich (3 CDU, je 1 SPD und KPD). Eine davon, die CDU-Kandidatin Josefine Büttner, war beruflich als „Auslands-Korrespondentin“ tätig. Die anderen geben als Tätigkeit Verkäuferin, Hausfrau, Ehefrau und ohne Beruf an. Bei den männlichen Kandidaten fallen ein Flurhüter und ein Feldhüter auf. Zu den Berufen, die es heute nicht oder kaum mehr gibt, gehören ein Formermeister und ein Polstermeister.

[2] Die Berufsverteilung auf die drei Listen folgt dem, was man erwarten würde: Bei der CDU sind – neben Handwerkern, Arbeitern und Angestellten – auch Handwerksmeister und kaufmännische Führungskräfte (Bankdirektor, Kaufmann, Prokurist) gut vertreten. Im Gegensatz dazu stellt die KPD ausschließlich Handwerker und Arbeiter sowie eine Kandidatin ohne Beruf auf. Die SPD-Liste liegt dazwischen. Sie hat Handwerker (darunter einen Meister) und Arbeiter zu bieten, aber auch einige öffentlich Bedienstete.

[3] Der Akazienweg hieß noch Käsbachstraße, benannt nach dem Bach, der von Dietkirchen kommend an Globus vorbei und unter der Autobahnbrücke durch, kurz dem Ansper folgend dann entlang des heutigen Akazienwegs in den an dieser Stelle etwas südlich der Westerwaldstraße verlaufenden Lahnarm mündete. Heute fließt der Käsbach verrohrt vom Ansper aus unter der Weilburger Straße in die Lahn.

[4] Die Adresse „Siedlung 15“ (SPD-Kandidat Josef Neidlinger) kann ich nicht zuordnen. Ich weiß nur, dass der heutige Bereich Akazienweg/In der Bitz früher in der Brückenvorstadt „Die Siedlung“ genannt wurde.

[5] Bei der Einladung zur SPD-Veranstaltung sticht der Satz „Der Saal ist beheizt“ ins Auge.
 




 
 
 

Samstag, 1. November 2025

Demokratischer Neubeginn vor 80 Jahren

Zum 80. Geburtstag darf man der CDU Limburg und zum 80. Jahrestag der Wiedergründung der SPD Limburg gratulieren. Die abgebildeten Dokumente der amerikanischen Besatzungsbehörde zeigen, dass die beiden Parteien Ende Oktober 1945 auf der Bildfläche der Limburger Politik erschienen, wobei der Begriff „Limburg“ dabei nicht unbedingt nur die Stadt, sondern auch den damaligen Kreis Limburg umfasste.