Mittwoch, 18. März 2026

Erinnerung an die Opfer im Dombunker

[Bild&Text: Stadtverwaltung Limburg] 

Am 26. März 1945 erreichten amerikanische Truppen vom Westerwald kommend Limburg, am nächsten Tag endete für die Limburger der Zweite Weltkrieg. Neun Limburger Frauen, Männer und Kinder erlebten dies jedoch nicht mehr, sondern starben am 26. März im Dombunker, in dem sie Schutz gesucht hatten. An ihr Schicksal erinnert nun ein Hinweis auf dem Weg entlang des Mühlkanals der Lahn.

Das Schild steht direkt am Weg und an der Stelle, an der sich an dem dahinterliegenden Felsen der ehemalige und inzwischen verschlossene Zugang zu dem Bunker abzeichnet. Die Hinweistafel auf die neun Toten und die Vorgänge geht auf eine Initiative des kürzlich verstorbenen Günter „Ilo“ Butzbach zurück. Die Kosten für die Tafel hat der Ortsbeirat für die Limburger Kernstadt übernommen, der dafür einen Teil seiner Verfügungsmittel einsetzt.

Der Text auf der Tafel stammt vom Limburger Stadtarchivar Dr. Christoph Waldecker und erinnert an neun Opfer im Alter zwischen drei und 69 Jahren. Die auf der gegenüberliegenden Lahnseite anrückenden Amerikaner waren von einem Polizisten und einem Volkssturmmann vom Friedhof auf dem Domfelsen aus beschossen worden und hatten daraufhin das Feuer erwidert und dabei auch in den Dombunker geschossen.

Die Tafel erinnert an: Agnes Fiebig geb. Duchscherer (41 Jahre), Renate Fiebig (3), Paul Franke (69), Lina Franke geb. Fuckert (64), Else Krauss (35), Hans-Rudolf Müller (15), Margarete Schiefner geb. Gottert (50), Walter Vehling (37) und Jakob Wahl (45). Der Erinnerungstext befindet sich auch mit einer englischen und französischen Übersetzung auf der Tafel. 


 

Montag, 19. Januar 2026

Kommunalwahl Limburg: Freie Wähler und Volt treten an, SPD nicht mehr in Offheim aktiv

Am 15.3.2026 findet die nächste Kommunalwahl statt. Jetzt steht fest, welche Listen an diesem Tag zur Auswahl stehen. Dabei gibt es einige interessante Neuerungen.
 
Dazu zählt zum einen, dass es im linken Spektrum mit Volt einen neuen Mitspieler gibt. Die Partei sieht sich in Frankfurt aktuell Vorwürfen gegenüber, die Grenze zum israelbezogenen Antisemitismus nicht klar genug zu ziehen. Volt tritt zur Stadtverordnetenversammlung sowie zu den Ortsbeiräten der Kernstadt und Offheims an.
 
Die Auswahl der für den Offheimer Ortsbeirat zur Wahl stehenden Listen ist noch aus einem anderen Grund interessant: Die SPD wird am 15. März nicht auf dem Wahlzettel stehen. Das ist eine kleine Sensation, waren die Sozialdemokraten unter ihrem legendären Frontmann Heribert Reitz doch über Jahrzehnte DIE bestimmende Kraft des Stadtteils. 
 
Neben Volt haben auch die Freien Wähler (FW) die politische Bühne unserer Stadt betreten. Sie treten für die Stadtverordnetenversammlung sowie den Ortsbeirat Kernstadt an. Die Freien Wähler (FW) sind nicht zu verwechseln mit der Freien Wählergemeinschaft (FWG), die nur noch in Eschhofen aktiv ist, nachdem sie über Jahrzehnte mit Werner Laux an der Spitze eine herausragende Rolle in der Stadtpolitik gespielt hat. Die FWG ist eine Gruppierung kommunalpolitisch interessierter und engagierter Bürger, die sich vor Ort für ihre Kommune einsetzen möchten. Überörtliche Ambitionen haben solche Freien Wählergemeinschaften in der Regel nicht. Im Gegensatz dazu sind die Freien Wähler (FW) eine Partei, die bundesweit insbesondere wegen ihres Vorsitzenden Hubert Aiwanger bekannt sind. Die FW sind in den Landtagen von Bayern (dort sogar als Regierungspartner) und von Rheinland-Pfalz sowie im Europaparlament vertreten. Dieses Nebeneinander von Freien Wählergemeinschaften und Freien Wählern hat dazu geführt, dass für den Kreistag gleich zwei Listen mit dem Signum „Freie Wähler“(-gemeinschaft) kandidieren. Eine legendäre Szene in „Das Leben des Bryan“ lässt grüßen…
 

 

Samstag, 10. Januar 2026

Stadtverordnetenwahl vor 80 Jahren

Am 27. Januar vor 80 Jahren fanden die ersten Kommunalwahlen nach dem Zweiten Weltkrieg statt. Für die Stadtverordnetenversammlung von Limburg (damals noch ohne Stadtteile) stellten die CDU, die SPD und die KPD eine Liste auf. Vor den Wahlen gab es auch Wahlkampfveranstaltungen. Zu den beiden Archivfundstücken folgende Anmerkungen:

[1] Von den 52 Kandidaten waren fünf weiblich (3 CDU, je 1 SPD und KPD). Eine davon, die CDU-Kandidatin Josefine Büttner, war beruflich als „Auslands-Korrespondentin“ tätig. Die anderen geben als Tätigkeit Verkäuferin, Hausfrau, Ehefrau und ohne Beruf an. Bei den männlichen Kandidaten fallen ein Flurhüter und ein Feldhüter auf. Zu den Berufen, die es heute nicht oder kaum mehr gibt, gehören ein Formermeister und ein Polstermeister.

[2] Die Berufsverteilung auf die drei Listen folgt dem, was man erwarten würde: Bei der CDU sind – neben Handwerkern, Arbeitern und Angestellten – auch Handwerksmeister und kaufmännische Führungskräfte (Bankdirektor, Kaufmann, Prokurist) gut vertreten. Im Gegensatz dazu stellt die KPD ausschließlich Handwerker und Arbeiter sowie eine Kandidatin ohne Beruf auf. Die SPD-Liste liegt dazwischen. Sie hat Handwerker (darunter einen Meister) und Arbeiter zu bieten, aber auch einige öffentlich Bedienstete.

[3] Der Akazienweg hieß noch Käsbachstraße, benannt nach dem Bach, der von Dietkirchen kommend an Globus vorbei und unter der Autobahnbrücke durch, kurz dem Ansper folgend dann entlang des heutigen Akazienwegs in den an dieser Stelle etwas südlich der Westerwaldstraße verlaufenden Lahnarm mündete. Heute fließt der Käsbach verrohrt vom Ansper aus unter der Weilburger Straße in die Lahn.

[4] Die Adresse „Siedlung 15“ (SPD-Kandidat Josef Neidlinger) kann ich nicht zuordnen. Ich weiß nur, dass der heutige Bereich Akazienweg/In der Bitz früher in der Brückenvorstadt „Die Siedlung“ genannt wurde.

[5] Bei der Einladung zur SPD-Veranstaltung sticht der Satz „Der Saal ist beheizt“ ins Auge.
 




 
 
 

Samstag, 1. November 2025

Demokratischer Neubeginn vor 80 Jahren

Zum 80. Geburtstag darf man der CDU Limburg und zum 80. Jahrestag der Wiedergründung der SPD Limburg gratulieren. Die abgebildeten Dokumente der amerikanischen Besatzungsbehörde zeigen, dass die beiden Parteien Ende Oktober 1945 auf der Bildfläche der Limburger Politik erschienen, wobei der Begriff „Limburg“ dabei nicht unbedingt nur die Stadt, sondern auch den damaligen Kreis Limburg umfasste.

 




 

Mittwoch, 3. September 2025

Schade: Limburgs Tauben werden doch nicht getötet

Es wird keine Tötung von mehreren hundert Limburger Stadttauben töten. Das ist das Resultat einer Änderung der einschlägigen Rechtsgrundlage. Die ursprünglich vorgesehene Vorgehensweise wäre damit nicht mehr legal. Die Limburger werden also weiterhin mit der enormen Belastung durch Taubenkot (siehe Foto) alleine gelassen. Viele können ihre Balkone und Terrassen nicht mehr benutzen, werden beim Essen in der Fußgängerzone von den nicht immer übermäßig hygienischen Tierchen umschwärmt, dürfen sich den Dreck aus den Haaren oder der Kleidung entfernen (wenn es sie erwischt hat) oder müssen zusehen, wie Teile ihres Eigentums im Dreck versinken. Letzteres ist gerade in der Altstadt ein Riesenproblem.

Die Diskussion der letzten Jahre lässt folgende Schlussfolgerungen zu:
 
[1] Die Limburger Kommunalpolitiker verdienen ein großes Kompliment. Gegen massive Hetze und verbale (teils auch körperliche) Gewalt haben sie versucht, eine sachgerechte Lösung zu erzielen. Dass das jetzt an juristischen Problemen scheitert, liegt nicht in ihrer Verantwortung.
 
[2] Die sog. „Tierschützer“ haben große Schuld auf sich geladen. Ihre Hetze gegen die (fast ausschließlich) ehrenamtlichen Kommunalpolitik, die in Einzelfällen auch in offene Gewalt umgeschlagen ist, kann nur als Anschlag auf unsere rechtstaatliche Demokratie gewertet werden. Glücklicherweise greift die Justiz hier durch, erste Urteile sind schon ergangen.
 
[3] Das deutsche Tierschutzrecht ist zu tierfreundlich. Das gilt nicht nur im Bereich der Schädlingsbekämpfung, sondern auch in der Landwirtschaft oder auch im Falle von Zoos und Zirkussen.
 
Dennoch gilt: Das Recht ist, wie es ist. Auch wenn das Ergebnis schade ist, muss jetzt auf dieser Basis gearbeitet werden. Die Hoffnung ist, dass dies in Zukunft friedlich geschieht.
 

 

Donnerstag, 3. Juli 2025

Trauer um Dr. Heinrich Richard

Limburg trauert um den ehemaligen Ersten Stadtrat Dr. Heinrich Richard, der im Alter von 85 Jahren verstorben ist. Dr. Richard übte sein Amt an der Spitze der Stadtverwaltung von 1987 bis 2005 und damit an der Seite von drei Bürgermeistern (Dr. Wolfgang Rüdiger, Peter Arnold und Martin Richard) aus. Er war der Nachfolger von Dr. Sigurd van Riesen und der Vorgänger von Babette Täpper. Vor seiner Zeit in Limburg war der promovierte Diplom-Ingenieur unter anderem für die OECD tätig.
 
Ob es stimmt, dass er zu seinem Vorstellungsgespräch in Limburg mit dem Fahrrad kam, ist nicht sicher verbürgt – es würde aber passen, denn Heinrich Richard dachte schon über die Verkehrswende nach, als andere das Heil noch in immer mehr Straßen und Parkplätzen suchten. Als zurückhaltender Norddeutscher war er niemand, der sich in den Vordergrund drängte, und übte sein Amt immer äußerst gewissenhaft, fleißig und diszipliniert aus. Heinrich Richard war ein unkonventioneller Denker, der über den Tellerrand der tagesaktuellen Probleme hinausdachte. Eindrucksvolle Belege für die Wertschätzung, die er genoss, sind seine beiden völlig unumstrittenen, parteiübergreifenden Wiederwahlen 1993 und 1999.
 
Nach seinem Ausscheiden aus dem Amt blieb Heinrich Richard Limburg treu (er wohnte am Rosenhang), und er engagierte sich weiter im Dienste seiner Wahlheimat, unter anderem bei Radio St. Vincenz, der Limburger Feuerwehr und dem Komitee für Nothilfe, das er 16 Jahre als Vorsitzender führte.
 

 

Donnerstag, 24. April 2025

Warum der Schafsberg Schafsberg heißt

Man muss keine philologische Doktorarbeit mit etymologischem Schwerpunkt geschrieben haben, um sich denken zu können, warum der Schafsberg in Limburg Schafsberg heißt.

Dazu bin ich in einer Fußnote eines Aufsatzes aus dem Jahr 1910 auf eine interessante Information gestoßen: die Herzogliche Landesregierung schrieb dem Herzoglichen Amtmann in Limburg im Jahr 1818, dass die Pachtzeit mit den Schafhaltern ablaufe und bat um Ideen, wie der Schafsberg „mit seinen nächsten öden Umgebungen“ zu einem Wäldchen aufgewertet werden kann.

Seine heutige Gestalt erhielt er dann allerdings erst um die Jahrhundertwende mit den Bemühungen, die unter anderem von Joseph Heppel und dem damals recht neuen Verschönerungsverein ausgingen. Wie der Schafsberg in den knapp hundert Jahren dazwischen ausgesehen hat, ist mir nicht bekannt.

Quelle: Metzen, J., Zur Geschichte der mittelalterlichen Befestigung der Stadt Limburg, Nass. Annalen, Vol. 41 (1910), Fußnote 4, S. 40/41