Freitag, 17. August 2018

Jugendfreizeitstätte am Bahnhof soll höheren Zuschuss bekommen

Die Evangelische Kirche am Bahnhof ist nicht nur Gotteshaus, sondern auch Gemeindezentrum, Pfarrbüro und - last, but not least - Heimat der "Jugendfreizeitstätte Limburg" (JFS). Die JFS ist die einzige Einrichtung in der Innenstadt, die professionelle Jugendarbeit anbietet. Es gibt ein offenes Angebot (montags bis freitags, 13:00 Uhr bis 20:00 Uhr), das verschiedene Möglichkeiten der Freizeitgestaltung sowie eine Hausaufgabenhilfe für Kinder ab zehn Jahren umfasst. Die Kinder und Jugendlichen beschäftigen sich selbst, ein Jugendarbeiter steht aber bei Problemen zur Verfügung. Daneben bietet die JFS ein Internetcafe sowie Sommerfreizeiten.

Träger der JFS ist die Evangelische Kirchengemeinde, mit der die Stadt seit Jahrzehnten vertrauensvoll zusammenarbeitet. Die Gemeinde hat sich nun aufgrund steigender Kosten an die Stadt gewendet und um eine zehnprozentige Erhöhung des städtischen Zuschusses (von 30.000€ auf 33.000€) gebeten. Der Magistrat schlägt den Stadtverordneten vor, dieser Bitte ab dem Jahr 2019 zu entsprechen.

Es ist mit einer großen Mehrheit für diesen Vorschlag zu rechnen.


Montag, 13. August 2018

Linke fordern freien Parkbad-Eintritt für Kinder

Dass es noch andere kommunalpolitische Fragen gibt als die Verlagerung des Rathauses auf die Grüne Wiese beweist ein Blick in die Tagesordnung der nächsten Stadtverordnensitzung. Einzelne Themen haben wir bereits vorgestellt (zum Beispiel Anträge der FDP zum Stadtmarketing und zur Verwendung der Spenden für die Opfer des LHZ-Brandes) , über andere werden wir hier ab heute sukzessive informieren.

Wir beginnen mit dem Antrag der Linkspartei, dass ab 2019 die Benutzung des Parkbades für Kinder bis 12 Jahre kostenfrei sein soll. Damit wollen die Linken ein Signal der Kinder- und Familienfreundlichkeit senden.

Freitag, 10. August 2018

Offener Brief: Bürger gegen Mundipharma-Deal

Stadt und Bistum wollen für über zehn Millionen Euro das Mundipharma-Areal erwerben und ihre Präsenz in der Innenstadt weitgehend aufgeben. Der Unmut der Limburger über diese Pläne schwelt seit Monaten, findet aber nur begrenzt Widerhall in der Politik.

Heute haben Bürgermeister Dr. Marius Hahn (der den Deal als Rathauschef und Berufspolitiker ohne Rücksicht auf Gegenargumente vorantreibt) und Stadtverordnetenvorsteher Michael Köberle (der den Deal als ehrenamtlicher Vertreter der Bürger eher kritisch sieht) Post bekommen. Eine Initiative engagierter Limburger hat sich gefunden, Argumente für den Erhalt der Verwaltung im Herzen der Stadt gesammelt und diese in einem offenen Brief zusammengefasst.

Hier eine Kurzfassung ihrer Argumente:

[1] Die Übernahme und der gemeinsame Betrieb eines Industriekomplexes mit zwei Partnern (Bistum Limburg und Mundipharma-Nachfolger) ist eine hochkomplexe Angelegenheit und mit vielen rechtlichen und finanziellen Risiken behaftet. Auf dem Spiel stehen Millionen an (Kirchen-)Steuergeldern.

[2] Die Entscheidung hätte eine fatale Signalwirkung: Wenn selbst die Stadtverwaltung nicht mehr in der Innenstadt investieren will, wer soll es dann tun?

[3] Limblog hatte schon berichtet, dass hinter Mundipharma ein milliardenschwerer, rein profitorientierter Clan aus den USA steht. Erst vor einem Jahr hatten die Mundipharma-Eigner den Standort Limburg geschlossen, sang- und klanglos mehrere hundert Jobs vernichtet und ihre (Ex-)Mitarbeiter sowie die Stadt auch noch äußerst schäbig behandelt. Die Bürger verstehen nicht, dass Stadt und Bistum dieses Verhalten noch mit einem goldenen Handschlag im Wert von über zehn Millionen Euro an Steuergeldern belohnen wollen.

[4] Es gibt keinerlei Termindruck. Das Rathaus an der Pusteblume muss zwar saniert werden, aber nicht sofort. Es besteht ausreichend Zeit, im Konsens eine sinnvolle Lösung unter Einbeziehung der Bürger zu finden.

[5] Die Standortverlagerung macht die Verwaltungsprozesse weniger effizient. Allein in der Innenstadt wird es weiter vier Verwaltungsstandorte geben, die eine neue Pendelbuslinie mit dem Mundipharma-Areal verbinden soll. Nur für diese Buslinie sind Kosten von 115.000€ vorgesehen – jährlich für die nächsten 40 Jahre.

[6] Die Verwaltung hat keinerlei Konzept für die Nachnutzung des bisherigen Rathauses an der Pusteblume. Die Unterzeichner des Offenen Briefes befürchten, dass dort – mal wieder – für den Normalbürger unerschwingliche Luxuswohnungen entstehen werden.

Mundipharma-Deal: Der offene Brief der Bürger im Wortlaut

Herrn Stadtverordnetenvorsteher
Michael Koeberle

Herrn Bürgermeister
Dr Marius Hahn


Bürger gegen Rathaus auf der „Grünen Wiese“

Limburg, den 09.08.2018

Sehr geehrte Herren,

der Unmut unter der Bevölkerung über die Absicht, die Stadtverwaltung auf die „Grüne Wiese“ zu verlagern, ist groß. Wir möchten Ihnen mit diesem Schreiben unsere Bedenken vortragen, die wir mit sehr vielen Bürgern teilen:

1. Die Übernahme eines hochmodernen Industriekomplexes gemeinsam mit zwei Partnern ist eine rechtlich und technisch hochkomplexe Angelegenheit mit jahrzehntelanger Bindungswirkung. Gerade in Bezug auf die Energieversorgung der Gebäude ist die Stadt auf eine entsprechend lange, verlässliche Zusammenarbeit mit Fidelio Healthcare angewiesen. Wer garantiert, dass Fidelio Healthcare nicht beim nächsten Management-Wechsel schon in wenigen Jahren die Bühne verlässt? Was macht die Stadt dann mit einer Pharmafabrik, die mit ihrem Verwaltungsgebäude untrennbar verbunden wäre? Welche Folgen hätte es für den städtischen Haushalt, wenn es so käme?
 

2. Die Entscheidung hätte eine fatale Signalwirkung. Wenn selbst die Stadtverwaltung nicht mehr zu Investitionen in die Limburger Innenstadt bereit ist, wer soll es dann sein? Auf der einen Seite investieren wir hohe Summen, beispielsweise in die Neugestaltung der Fußgängerzone oder in das Stadtmarketing, auf der anderen Seite sorgt die Politik selbst für die Verlagerung von mehreren hundert Arbeitsplätzen und einer entsprechenden Zahl von Besuchern – sowie von deren Kaufkraft – auf die Grüne Wiese.
 

3. Es ist den Bürgern nicht einsichtig dass dem Großkonzern Mundipharma, dem größten industriellen Arbeitgeber in Limburg, der hunderte Arbeitsplätze aufgibt, als Entgegenkommen der Stadt und des Bistums die dann leerstehenden Gebäude abgekauft werden sollen. Aufgabe des Magistrats müsste sein, der Fa. Mundipharma behilflich zu sein, die Gebäude zu verkaufen, damit durch die Ansiedlung von Betrieben neue Arbeitsplätze geschaffen werden, um damit die Sicherung von Gewerbesteuer für den städtischen Haushalt zu erreichen.
 

4. Unverständlich ist der Zeitdruck für die Sanierung des vorhandenen Verwaltungsgebäudes Neubau-Rathaus. In den vergangenen Jahren wurden dort Millionen investiert, z.B. für Brandschutz. Das Rathaus an der Pusteblume muss zwar saniert werden, aber nicht sofort. Es besteht genügend Zeit, eine sinnvolle Lösung im Konsens und unter Beteiligung der Bürger zu suchen und zu finden.
 

5. Es ist Augenwischerei, wenn argumentiert wird, das Bürgerbüro könne 90 Prozent aller Bürgeranliegen erledigen, wenn heute schon die Allgemeine Verwaltung und die Technische Verwaltung an 5 Tagen für Sprechstunden für Bürger geöffnet ist. Bei einer Realisierung der Umsiedlung in das Mundipharma-Gebäude wäre die Stadtverwaltung an 8 Standorten vertreten. Der entstehende Verwaltungsmehraufwand führt zu Folgekosten, die durch den Bürger zu tragen sind. Das beste Beispiel ist die neue Pendelbuslinie, die mit einer sechsstelligen Summe zu Buche schlagen soll. Die Erhöhung der Gebühren und städtischen Steuern sind das Ergebnis.
 

6. In der Magistratsvorlage für den Haupt- und Finanzausschuss am 16.08.2018 wird in keiner Weise auf die Verwertung des dann freiwerdenden Gebäudes eingegangen.
Ein weiteres Hotel in der Innenstadt dürfte ja wohl schon an den Möglichkeiten der Realisierung gestorben sein (keine Parkflächen, keine Freiflächen, keinerlei Terrassen, keine Anfahrt), dann wird wohl die Entscheidung auf Komfortwohnungen hinauslaufen, die dort am öffentlichen Verwaltungs- und Kulturzentrum absolut unangebracht sind.


Sehr geehrter Herr Koeberle, sehr geehrter Herr Bürgermeister Dr Hahn,
 

Sie stehen vor einer für die Stadt Limburg historischen Entscheidung, Behalten Sie den Standort Rathaus in der Innenstadt bei. In keiner uns bekannten Kommune werden Rathäuser auf die grüne Wiese umgesiedelt. Der Stellenwert eines Rathauses mitten in der Stadt hat auch für die innerstädtische Entwicklung eine hohe Bedeutung. Bereiten Sie mit Augenmaß unter Ausschöpfung aller technisch möglichen Sanierungsmöglichkeiten die Sanierung und Erweiterung der Büroflächen der vorhandenen Gebäude vor. Das Kultur- und Verwaltungszentrum der Stadt Limburg ist eine Einheit mitten in der Stadt. Und das soll so bleiben.

Wir bitten Sie den offenen Brief an die Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung und des Magistrats weiterzuleiten.

Mit freundlichen Grüßen die Unterzeichner

Werner Laux
Senta Seip
Hermann Krippner
Barbara Sylla - Belok
Karl Winfried Seif
Marieluise Winter
Jürgen Kaiser
Christiane Jopp
Hildegard Milleg
Ernst Kunze
Rosel und Roland Freitag
Christina Baldus-Hummer
Joachim De Bruin
Ulla Möhn
Stefan Laux
Christine Möller Josef Wolf
Bernd Stein
Dorothea Wiesenfeld
Hans Dieter Heun
Theo Seip
Gisela Timmesfeld
Helga Gilbert
Angelika Seip
Patricia Wolf
Achim Hellig
Barbara Stegmann
Christoph Stegmann
Sacha Hoffmann
Courtny Gerber Herwig Staudt
Marleen Möller
Ann-Stephane Schäfer
Hedwig Steinitz
Vera Waldherr-Matter
Richard Michler
Arno Zell
Rudi Eisenbach
Elisabeth Knossalla
Angelika Seitner
Monika Waldherr
Monika Fleischhaker
Werner Bendel
Lisa Balmert
Martin Zirner
Kathrin Menges
Eva Sieger
Doris Schulz
Marga Ludwig
Pia Ludwig
Peter Zimmermann
Ingrid Horz-Schmachtel
Leo Vanecek
Rudolf Baldus
Elisa Stiell
Johann Georg Fuchs
Jochem Belz
Volker Beck


Bürger wenden sich in einem offenen Brief gegen die Verlagerung des "neuen Rathauses" auf die Grüne Wiese (Mundipharma-Areal). Foto: Limblog

Donnerstag, 9. August 2018

IHK Limburg: Monika Sommer neue Hauptgeschäftsführerin

Neue Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Limburg wird Monika Sommer. Die Vollversammlung der IHK hat die bisherige Geschäftsleiterin und Personalreferentin am Landgericht Limburg gestern einstimmig ins Amt bestellt. Damit folgte sie dem Vorschlag einer Findungskommission, den auch das Präsidium unterstützt. Sommer wird ihre Aufgabe am 1. November 2018 antreten. In der 153-jährigen Geschichte der IHK Limburg ist sie die erste Frau an der Spitze des Hauptamtes.

Die 48-jährige Diplom-Rechtspflegerin aus Runkel war mit Abschluss des Examens von 1996 bis 2003 beim Amtsgericht Idstein in der allgemeinen Rechtspflege tätig. Nach einem Aufbaustudium im Bereich Justizmanagement hat sie 2003 die stellvertretende Geschäftsleitung beim Landgericht Limburg übernommen. 2010 wurde ihr hier das Amt der Geschäftsleiterin und Personalreferentin übertragen. In dieser Tätigkeit ist Monika Sommer verantwortlich für die organisatorischen Abläufe, Personalangelegenheiten im nichtrichterlichen Bereich und die Haushaltsplanungen sowie gleichermaßen für die nachgeordneten Amtsgerichte des Landgerichtsbezirks, in dem rund 390 Mitarbeiter beschäftigt sind. Bei der Entwicklung des elektronischen Rechtsverkehrs in der Hessischen Justiz ist Sommer zudem in diverse Projektarbeiten eingebunden.

„Wir sehen die IHK Limburg mit Monika Sommer sehr gut für die Zukunft aufgestellt und sind sicher, mit ihr die richtigen Weichen für eine erfolgreiche Weiterentwicklung der IHK und der Wirtschaft in der Region zu stellen“, sagt IHK-Präsident Ulrich Heep.

Monika Sommer dankte den Mitgliedern der Vollversammlung für ihr Vertrauen. „Ich freue mich auf die Herausforderung und werde mich mit voller Kraft in den Dienst der regionalen Wirtschaft stellen. Die Interessenvertretung der Unternehmen im Landkreis Limburg-Weilburg und die Entwicklung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind mir ein Anliegen, das ich unter Berücksichtigung des ständigen Wandels fördern will. Für die schon jetzt vielfältig vorhandenen Leistungen und Angebote der IHK Limburg will ich mich verwenden und da ansetzen, wo sich neue Bedürfnisse einstellen. Dabei sind auch die digitalen Themen von Bedeutung und nach den Erfordernissen der Unternehmen zu berücksichtigen. Weitere wichtige Themenfelder sind eine anspruchsvolle fachliche Weiterbildung und das Fortbildungsangebot der IHK sowie die qualifizierte Nachwuchsgewinnung und die Gewinnung von Fachpersonal in den Unternehmen. Gerne steige ich ein, in eine kompetente und strategisch klar organisierte IHK und freue mich auf meine künftige Aufgabe als Hauptgeschäftsführerin als Teil in einer funktionierenden Interessensgemeinschaft.“

Die IHK Limburg vertritt rund 13.000 Unternehmen in der Region Limburg-Weilburg und ist erster Ansprechpartner in allen Wirtschaftsfragen. Als öffentlich-rechtliche Körperschaft der wirtschaftlichen Selbstverwaltung vertritt sie im gesetzlichen Auftrag das Gesamtinteresse ihrer Mitglieder gegenüber Staat und Politik, fördert Unternehmen mit vielfältigen Beratungen sowie Dienstleistungen, erfüllt über 50 hoheitliche vom Staat übertragene Aufgaben, etwa in der dualen Berufsbildung, und tritt für das Leitbild des Ehrbaren Kaufmanns ein.
Die Hauptgeschäftsführerin leitet die Geschäfte der IHK Limburg und vertritt das Gesamtinteresse der gewerblichen Wirtschaft im Kammerbezirk. Dabei ist sie, soweit Gesetz und Satzung es vorsehen, an die Beschlüsse der Vollversammlung, des Präsidiums und des Berufsbildungsausschusses gebunden. Gemeinsam mit dem Präsidenten vertritt sie die IHK Limburg in allen wichtigen IHK-politischen und rechtlichen Angelegenheiten.

Bild&Text: IHK Limburg

IHK-Präsident Ulrich Heep gratuliert Monika Sommer zur Wahl als neue Hauptgeschäftsführerin der IHK Limburg. Foto: IHK Limburg

Donnerstag, 2. August 2018

Die Milliardäre hinter Mundipharma: Keine schrecklich nette Familie

Stadt und Bistum haben vor, das Mundipharma-Areal auf der Dietkircher Höhe zu kaufen, um dort beträchtliche Teile ihrer Verwaltungen unterzubringen. Es geht um 300 Arbeitsplätze, die aus der Innenstadt auf die „Grüne Wiese“ verlagert werden sollen. Der Deal – im Volumen von gut 10 Millionen Euro – ist heftig umstritten. Neben den Folgen für Gastronomie und Einzelhandel im Stadtzentrum, den zahlreichen Ungereimtheiten im bisherigen Verlauf des Verfahrens und den hohen finanziellen Risiken stören sich viele Limburger vor allem an einer Tatsache: Ausgerechnet das Unternehmen, welches Stadt und Mitarbeiter vor gut einem Jahr nicht nur vor den Kopf gestoßen, sondern auch äußerst schäbig behandelt hat, soll nun nach der Vernichtung zahlreicher Arbeitsplätze vom Limburger (Kirchen-)Steuerzahler einen goldenen Handschlag bekommen.

Das hat uns ein wenig recherchieren lassen, wer oder was eigentlich hinter Mundipharma steckt, mit wem Bürgermeister und Bischof also ihr Millionengeschäft abschließen wollen.

Milliardäre, die über Leichen gehen


Es ist die Sackler-Familie. Der milliardenschwere Clan ist (über das Unternehmen Purdue Pharma, dessen europäische Tochtergesellschaft Mundipharma ist) seit Jahrzehnten im Arzneimittelgeschäft aktiv. Nach außen hin gerieren sich die Sacklers als Mäzene und sponsern Kunst und Kultur. Gleichzeitig verbergen sich hinter der philanthropischen Fassade knallharte Geschäftsleute, die – glaubt man den US-Ermittlungsbehörden – für ihren Profit über Leichen gehen. Die Familie steht nämlich nicht nur in der Kritik, weil sie über ihre Beteiligung an Purdue Pharma keine Auskünfte gibt und für rechtslastige Organisationen (möglicherweise aus dem Umfeld von Donald Trump) spendet; vielmehr ist sie verantwortlich für eine der schwersten medizinischen Krisen der jüngeren US-Geschichte: die „Opiat-Epidemie“.

OxyContin: Ein "Wundermittel", das süchtig macht


Amerikanische Ärzte haben seit Mitte/Ende der 1990er Jahre vermehrt eine neue Generation von Schmerzmitteln verschrieben, die wirksamer als Morphium sein und weniger Nebenwirkungen haben sollten. Das prominenteste dieser Mittel heißt OxyContin und wurde 1996 auf den Markt gebracht – von Purdue Pharma, der Mundipharma-Muttergesellschaft. Der Vorwurf: Mit gekauften „wissenschaftlichen“ Studien und falschen Informationen gegenüber Ärzten ist es den Sacklers gelungen, die gravierenden Nachteile des neuen Medikamentes zu verschleiern. Einer dieser Nachteile ist: OxyContin macht süchtig.

Die Opiat-Epidemie


Millionen Amerikanern wurde OxyContin verordnet (oft wegen eigentlich nicht nennenswerter Beschwerden), und Millionen Amerikaner sind der Droge in den vergangenen beiden Jahrzehnten verfallen. Die meisten Süchtigen stammen aus geordneten sozialen Verhältnissen und wären wohl nie auf den Gedanken gekommen, dass sie einmal zu Junkies werden könnten. Nach Ende der Einnahme der Pillen auf Rezept waren zwar möglicherweise die Schmerzen weg, das Verlangen nach dem Suchtmittel jedoch nicht. Waren die Betroffenen nicht in der Lage, OxyContin illegal zu beschaffen, mussten sie auf Alternativen umsteigen – Heroin oder andere, oft in Hinterhoflabors zusammengepanschte Opiate. Dass beide Substitute lebensgefährlich sind, bedarf keiner weiteren Erläuterung. Glaubwürdigen Schätzungen zufolge sterben jeden Tag rund 100 US-Bürger an den Folgen ihrer Sucht.

"Gier ist der Grund"


Wie kann man so etwas erklären? „Gier ist der Grund“, so ein amerikanischer Jurist, der mehrere US-Bundesstaaten in Schadenersatzverfahren gegen Purdue Pharma unterstützt. Die Gier einer Milliardärsfamilie, die den Hals nicht voll bekommen konnte. Da sind die gut zehn Millionen aus Limburg nicht mehr als ein Nachtisch. Aber Kleinvieh macht ja bekanntlich auch Mist.

Wer mehr über das Milliardenimperium der Mundipharma-Eigentüner erfahren möchte, wird hier fündig.

Montag, 30. Juli 2018

In jenen Tagen...

...kamen sich im Palast von Pontius Pilatus die „Kampagne für ein freies Galiläa“ und die „Judäische Volksfront“ (oder war es die „Volksfront von Judäa“?) in die Quere, während die „Populäre Front“ ihrem Aussterben entgegensah. So berichtet es wenigstens eine ausgesprochen glaubwürdige Quelle.

Ein ähnlich zersplittertes Bild wie die anti-römischen Widerstandsgruppen vor 2000 Jahren bieten die in der Limburger Kernstadt aktiven Bürgerinitiativen, welche sich im Bereich Verkehrspolitik engagieren. Denn auch von denen gibt es mittlerweile vier: Am Wochenende hat die „Interessengemeinschaft gegen die Bebauung des Grünzuges/Frischluftzone Großbachtal“ die politische Bühne unserer Stadt betreten. Mit einem vierseitigen Schreiben, das die Anwohner des Großbachtals gestern in ihren Briefkästen vorfanden, wendet sich die IG gegen die Aufgabe des Großbachtales als Frisch- und Kaltluftschneise für die Innenstadt. Das Großbachtal verläuft von der Holzheimer Straße zwischen Sandweg auf der einen und Moritz-Hilf- bzw. Gerhart-Hauptmann-Straße auf der anderen Seite bis zur Zeppelinstraße und von dort zwischen den Bauabschnitten Blumenrod III und IV hindurch auf das Feld zwischen Linter, Blumenrod, Holzheim und Mensfelder Kopf. 

Schon in jahrzehntealten Plänen ist das Großbachtal als die besagte Schneise zur Versorgung der Innenstadt mit Frisch- und Kaltluft verzeichnet. Die Interessengemeinschaft sieht mit Sorge, dass das Tal aufgrund unterschiedlicher politischer Entscheidungen nicht mehr in der Lage sei, seine kleinklimatische Funktion für Limburg zu erfüllen. Mit den neuen Mehrfamilienhäusern an der Einmündung des Sandweges in die Holzheimer Straße sei bereits der untere Teil der Schneise geschlossen worden. Sollten die Bauabschnitte Blumenrod V und VI realisiert werden, träfe dies auch auf den oberen Teil zu. Und wenn dann auch noch die Südumgehung durch das „Paradies“ und das Großbachtal realisiert werde, verliere Limburg einen gerade in Zeiten des Klimawandels und der Luftverschmutzung eigentlich unverzichtbaren Teil seiner „grünen Lunge“. In ihrem Flugblatt insinuieren die Autoren, dass das Abschneiden des Großbachtals von der Innenstadt und vom Gebiet um den Mensfelder Kopf Teil einer ausgeklügelten Strategie ist: Wenn das Tal erst einmal seine Aufgabe als Luftschneise unwiederbringlich eingebüßt habe, stehe der Südumgehung aus Sicht der Politik nichts mehr im Wege. Dabei gehe es im Falle dieses schon lange und heftig umstrittenen Verkehrsprojektes anders als vielfach behauptet in erster Linie gar nicht um die Lösung Limburger Probleme, sondern um eine paneuropäische West-Ost-Achse von Portugal nach Polen.
Mit ihrer (wenn auch verschwörungstheoretischen) Argumentation gegen die Südumgehung durch das Paradies reiht sich die neue Bürgerinitiative in die Gruppe der bislang drei anderen verkehrspolitischen Initiativen ein.

Da wären zunächst die „Bürger gegen die Südtangente“. Sie gründeten sich in den 1990er Jahren, nachdem die Stadtverwaltung 1993 die Idee einer Westumgehung (von der Verlängerung der Diezer Straße in Diez an der JVA vorbei durch das Schierlinger Feld zum „Staffeler Dreieck“) verworfen und sich wieder der Südumgehung über die Alttrasse durch das „Paradies“ zugewandt hatte. Die „Bürger gegen die Südtangente“ waren auch erfolgreich und konnten die „Südtangente“ (die wegen der enormen Entwicklung der Südstadt längst keine Tangente mehr ist, sondern eine Sekante) verhindern, vorläufig wenigstens.

Mit der Wahl von Martin Richard zum Bürgermeister kam 1997 nämlich eine neue Variante auf den Tisch: Vom Diezer Industriegebiet über die Straße nach Holzheim an Blumenrod vorbei durch die Eppenau zur Autobahnanschlussstelle Limburg-Süd. Gegen diese Idee richtete sich die Bürgerinitiative „Keine Südumgehung Limburg“.

Auch sie war erfolgreich, konnte die „Richard-Variante“ doch verhindert werden – und seit ein paar Jahren ist die „Alttrasse“ wieder aktuelle Beschlusslage der Stadtpolitik. Dass sie auf absehbare Zeit nicht gebaut werden wird, ist darauf zurückzuführen, dass der Bund für sehr lange Zeit nicht bereit sein wird, das erforderliche Geld bereitzustellen. Wir reden dabei von wahrscheinlich rund 100 Mio. Euro.

Dass es keine Umgehung und deshalb massive Verkehrsprobleme in der Innen- und vor allem auch der Weststadt gibt, hat die „Initiative Weststadt“ auf den Plan gerufen, die insbesondere für eine Entlastung der Diezer Straße kämpft.