Donnerstag, 2. April 2020

Trauer um Albrecht Busch

Limburg trauert um Albrecht Busch, der am Sonntag verstorben ist. Busch, der letzte Inhaber der „Brauerei Busch“, wurde 88 Jahre alt.

Er war nicht nur eine beeindruckende Unternehmerpersönlichkeit, sondern über das Berufliche hinaus vielfältig für seine Heimatstadt engagiert, nicht zuletzt als langjähriger Vorsitzender des Verkehrs- und Verschönerungsvereins, der ihn aufgrund seiner großen Verdienste zu seinem Ehrenvorsitzenden gemacht hatte. Busch war zudem Träger der Limburg-Medaille und zahlreicher weiterer Auszeichnungen. Diese Ehrung spiegelt die Vielzahl der Ehrenämter wieder, die er im Laufe eines langen und erfüllten Lebens ausfüllte. Der Vorsitz des Ehemaligenvereins der Tilemannschule war nur eines davon. Albrecht Busch war aber auch begeisterter Fastnachter und Förderer des „Ring Limburger Carneval“ und stand der Kampagne selbst im Jahr 1959 als „Prinz Albrecht I. von der Brauburg“ vor.

Zu den gern erzählten Limburger Legenden gehört die Geschichte, er habe einst als 18-Jähriger als junge Frau verkleidet mit Perücke (inkl. Zöpfen) unerkannt am Schulunterricht der Marienschule teilgenommen. Ob das wahr ist, wissen wir nicht. Es ist aber alles andere als unwahrscheinlich.
Abschied von einem Fassenachter und Brauer – der Bierkrug von 1959 erinnert an den damaligen Fastnachtsprinzen „Albrecht I. von der Brauburg“

Sonntag, 29. März 2020

Prozession und Segen...

...kennt man in Limburg insbesondere vom Fronleichnamstag. Da beten die Limburger katholischen Pfarreien jedes Jahr auf dem Kornmarkt für das Wohlergehen der Stadt und ihrer Bewohnerinnen und Bewohner. Dann wird dort der Segen mit der Hostie erteilt, nach katholischem Glauben der Leib Christi, das für Katholiken "Allerheiligste".



Weil das Wohlergehen in diesen Tagen besonders wichtig ist, zog Dompfarrer Gereon Rehberg heute vor einer Woche in aller Frühe durch die Limburger Innenstadt und erteilte an den öffentlichen Plätzen den Segen. Auf dass die Maßnahmen und Einschränkungen zur Bekämpfung des Coronavirus noch rechtzeitig kamen, wirken und die Stadt von schlimmem Unheil verschont bleibe!

Samstag, 28. März 2020

Memorandum: Gemeinsam die Corona-Krise bewältigen

Memorandum aller in der Limburger Stadtverordnetenversammlung vertretenen Fraktionen

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

• wir, die Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung, sind uns gemeinsam darin einig, dass die Corona-Krise für unsere Stadt die größte Herausforderung seit dem Zweiten Weltkrieg darstellt. Daher gilt es, gemeinsam diese Krise anzugehen. Wir sind in Gedanken bei den Erkrankten und vor allem den Angehörigen der Verstorbenen, die der Erkrankung bisher zum Opfer gefallen sind. 

• Die Auswirkungen, die mit der Krise einhergehen, stellen uns alle vor massive Herausforderungen. Es gilt, die Gesundheit der Bevölkerung zu sichern und die Funktionsfähigkeit unseres Gesundheitssystems zu bewahren. Dabei müssen wir besonders auf unsere älteren Mitbürger sowie auf Menschen mit Vorerkrankungen achten. Deshalb sind zuletzt Verbote ausgesprochen worden, die das öffentliche Leben, wie wir es seit jeher kennen, praktisch zum Erliegen bringen. Wiewohl diese außergewöhnlich einschneidend sind, bitten wir die Bevölkerung, auch weiterhin solidarisch Verantwortung zu übernehmen: Bitte beachten Sie konsequent die bekannten Einschränkungen und bleiben Sie – nach Möglichkeit – zu Hause. 

• Viele Limburger stammen aus Italien und Spanien bzw. haben Vorfahren, die von dort zu uns gekommen sind. Wir fühlen uns in diesen dunklen Tagen deshalb insbesondere mit diesen Ländern sowie unseren französischen Nachbarn eng verbunden, die derzeit so schwer zu leiden haben. 

• Ärzte und Pflegekräfte in unseren heimischen Praxen, den Pflegeheimen und unserem Vincenz-Krankenhaus arbeiten gerade in diesen Krisenzeiten einsatzbereit, kompetent und hingebungsvoll. Ihnen, ihren Familien und allen, die im Gesundheits- und Pflegesystem arbeiten und in diesen Tagen Außergewöhnliches leisten, gilt unser herzliches Dankeschön – wir fühlen uns und unsere Angehörigen bei Ihnen sehr gut aufgehoben!

• In unseren Dank schließen wir auch jene Mitbürger ein, die im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit dafür sorgen, dass auch die nicht-medizinische Infrastruktur (insbesondere in der Lebensmittelversorgung und im Öffentlichen Personennahverkehr etc.) stabil funktionieren kann. Dies gilt gleichermaßen für die Behördenmitarbeiter auf unserer lokalen Kreis- und Stadtebene sowie für Polizei, städtisches Ordnungsamt, Rettungsdienste und Feuerwehr, die unter großem Einsatz den Schutz der öffentlichen Sicherheit und Ordnung gewährleisten. 

• In der Krise zeigen sich Kreativität und gelebte Solidarität. So bilden mittlerweile viele Mitbürger ehrenamtliche Helferkreise, um sich der älteren Bevölkerung anzunehmen und sie – zumeist durch die Erledigung von Besorgungen und Einkäufen – zu unterstützen. Auch ihnen gilt ein großes Dankeschön.

• Während die Kommunalpolitik – als Teil des öffentlichen Lebens – praktisch zum Erliegen gekommen ist, stellt das Personal im heimischen Rathaus sicher, dass die Verwaltung arbeitsfähig ist. Handlungsfähigkeit, gerade im kommunalen Rahmen, bedeutet für die Bürger Funktionsfähigkeit und Verlässlichkeit. 

• Wir begrüßen ausdrücklich die vom Deutschen Bundestag sowie dem Hessischen Landtag in schneller Folge und fraktionsübergreifend beschlossenen Hilfspakte, die die erheblichen Auswirkungen der Corona-Krise auf das Wirtschaftsleben abmildern sollen. Es ist unerlässlich, dass neben den gesundheitlichen Folgen der Pandemie auch jene massiven Konsequenzen für unsere Wirtschaft betrachtet werden, die aus dem Erliegen weiter Teile von Handel und Gewerbe entstehen werden. 

• Auch die Stadt Limburg kann und muss im Rahmen ihrer Möglichkeiten ihren Beitrag dazu leisten, die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Krise abzufedern. Wir unterstützen daher ausdrücklich die bereits getroffenen Maßnahmen des Magistrats zur Stundung und Aussetzung von Gebühren, Beiträgen und kommunalen Steuern. Über dieses hinausgehend, bitten wir – gemeinsam – den Magistrat,
o konkrete Vorschläge für ein zeitlich befristetes Aussetzen der Nutzungsgebühren, insbesondere für die Außenbewirtschaftung der Gastronomie und für die Marktbeschicker, vorzulegen;
o folgendes umzusetzen: Auf Antrag der Steuerpflichtigen sollen bis zum 30. Juni 2020 bereits fällige oder fällig werdende Gewerbesteuerzahlungen zinsfrei gestundet werden, soweit diese Forderungen aufgrund finanzieller Probleme infolge der gegenwärtigen Corona-Krise nicht geleistet werden können. Erlassanträgen soll nach eingehender Prüfung der Erlassbedürftigkeit und Erlasswürdigung und erst nach Ausschöpfung der vorgenannten Stundungsmöglichkeit stattgegeben werden;
o Möglichkeiten des Grundsteuererlasses bzw. der Stundung der Grundsteuer zu prüfen, soweit Antragsteller ihre Erlassgründe auf die Auswirkungen der gegenwärtigen Krise stützen;
o gemeinsam mit den Trägern der heimischen Kindergärten einen Erlass der Elternbeiträge für die Zeit der Schließung vorzubereiten;
o gemeinsam mit dem CityRing und dem Altstadtkreis Überlegungen anzustellen, wie der Einzelhandelsstandort Limburg kurzfristig unterstützt werden kann. So sollen beispielsweise Möglichkeiten gesucht werden, die 2020 ausfallenden verkaufsoffenen Sonntage nachzuholen. Außerdem sollen Veranstaltungen und attraktive Aktionen – auch unter der Woche – entwickelt werden, die wieder Käufer nach Limburg ziehen;
o weitere Maßnahmen – auch im Austausch auch mit der heimischen Industrie- und Handelskammer – zu erarbeiten und vorzustellen, die geeignet sind, unserer heimischen Unternehmenslandschaft befristete Erleichterungen zu verschaffen;
o bis auf weiteres zu jeder Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses einen schriftlichen Sachstandsbericht über die derzeitige Haushaltslage vorzulegen. Dieser soll neben der Entwicklung der aktuellen Einnahmeseite das konkrete Volumen des sich aus der Umsetzung der in dieser Resolution entstehenden Maßnahmen darstellen. 


Gemeinsames verantwortliches Handeln, die solidarische Unterstützung derjenigen, die unsere Hilfe benötigen, das Befolgen der behördlichen Entscheidungen und das sichere Vertrauen, dass wir uns gegenseitig beistehen und helfen – dies alles wird einen wichtigen Beitrag dazu leisten, diese Krise gemeinsam zu meistern. So kann und wird das Miteinander in unserer schönen Heimatstadt Limburg sogar gestärkt aus diesen schweren Tagen hervorgehen.

Dies verbinden wir gemeinsam mit dem wichtigsten Wunsch: Bitte bleiben Sie gesund! 


Für die in der Stadtverordnetenversammlung vertretenen Fraktionen

Dr. Christopher Dietz CDU-Fraktion
Peter Rompf SPD-Fraktion
Marion Schardt-Sauer, MdL FDP-Fraktion
Dr. Sebastian Schaub – Fraktion Bündnis90/Grüne
Kai-Hagen Maiwald – Sozial-Ökologische Fraktion Limburg

Montag, 23. März 2020

Ökonomische Theorie des Klopapiers

Die Witze darüber sind in aller Munde und verbreiten sich seit Tagen über die sozialen Medien: Deutschland sucht das Klopapier, findet es aber nicht, jedenfalls nicht in den Regalen der Supermärkte und Drogerien. Die Hamsterer sind unterwegs und kaufen den Läden das begehrte Gut schneller weg als es nachgeliefert werden kann. Wie konnte es so weit kommen? Dazu einige Überlegungen aus der Perspektive der ökonomischen Theorie.

Die erste Frage ist, ob Toilettenpapier überhaupt ein Gut ist, dass einem spontan einfallen würde, wenn es um das Hamstern in Krisenzeiten geht. Die Antwort ist ein klares Nein. Zum einen ist es nicht wirklich lebensnotwendig, zumal der Corona-Virus ja auch keine Magen-Darm-Grippe mit den entsprechenden Symptomen verursacht. Zum anderen ist es ein (produktionstechnisch betrachtet) einfaches Gut, für dessen nicht aufwendige Herstellung als Rohstoffe nur Wasser, Energie und Holz bzw. Papier/Pappe benötigt werden. Die Hersteller können die Menge bei wachsendem Bedarf also ohne großen Aufwand steigern und die Kauflust der Haushalte befriedigen. All das unterscheidet Toilettenpapier von Lebensmitteln, die erstens wirklich essentiell sind und zweitens nicht so einfach nachproduziert werden können, weil (bei pflanzlichen Lebensmitteln) Ernte- bzw. (bei tierischen Lebensmitteln) Zuchtzyklen für eine gewisse Zeitverzögerung bei der Produktionsausweitung sorgen.

Toilettenpapier ist somit eigentlich kein Hamstergut, wird aber paradoxerweise zur Zeit gerade massiv gehamstert. Damit wären wir wieder bei der Frage, wie es dazu kommen konnte. Hier spielt das ökonomische Phänomen der „selbsterfüllenden Prophezeiung“ die entscheidende Rolle. Als immer klarer wurde, dass wir auf eine Krise zusteuerten, gab es in den sozialen Medien erste Berichte über Knappheiten bei bestimmten Produkten, darunter auch Toilettenpapier. Dass diese Knappheiten zwar hin und wieder in den Regalen, nie aber in der Wirtschaft insgesamt vorkamen (und vorkommen), ist auf die Just-in-Time-Struktur der modernen Wirtschaft zurückzuführen. Supermärkte sowie Großhändler haben heutzutage keine nennenswerte Lagerhaltung mehr. Die Lager der Gegenwart rollen bzw. stehen auf der rechten Spur unserer Autobahnen. Jeder Supermarkt hat immer nur so viel Ware, wie normalerweise verkauft wird, bis die nächste Lieferung kommt.

Ein Rechenbeispiel: Ein Supermarkt hat 1200 Kunden, die im Schnitt alle zwei Wochen eine Packung Klopapier kaufen. Das sind 600 Packungen pro Woche und – bei sechs Werktagen – 100 verkaufte Packungen pro Tag. Entsprechend kommt jeden Werktag ein LKW, der dem Supermarkt die durchschnittlich 100 benötigten Packungen bringt. Wenn jetzt wegen der möglichen Krise von den insgesamt 1.200 Klopapier-Kunden des Supermarktes bereits am Montagvormittag nur 50 (das sind gut 4%) zum Supermarkt fahren und jeweils statt einer Packung Toilettenpapier zwei kaufen, dann ist das Klopapierregal am Montagmittag leer. Die Bilder davon kursieren in den sozialen Netzwerken, und am nächsten Morgen fahren statt 50 diesmal 100 Kunden zum Supermarkt, von denen 65 nichts mehr abbekommen, weil die ersten 35 drei statt einer oder zwei Packungen gekauft haben. Diesmal verbreiten sich nicht nur die Bilder von leeren Regalen im Internet, sondern auch von Konsumenten, die sich um das begehrte Gut streiten.

Die erwähnte „selbsterfüllende Prophezeiung“ äußert sich nun darin, dass je mehr Leute zum Supermarkt fahren, um Klopapier zu kaufen, desto schneller sind die Regale leer und desto mehr Leute fahren zum Supermarkt. Und so weiter, und so fort. Selbst Menschen, die an sich rational sind, überlegen nun: „Wer weiß, wann es wieder Toilettenpapier gibt“ bzw. „Wenn ich es dann wirklich brauche, habe ich keine Lust, von Supermarkt zu Supermarkt zu fahren.“ Was tun sie? Sobald sie das Ersehnte sehen, kaufen sie gleich zwei oder drei Packungen, unabhängig davon, ob sie so viel wirklich in nächster Zeit brauchen oder nicht. Sicher ist sicher. Damit ist eine Spirale in Gang gesetzt, die nur schwer zu stoppen ist. Letzteres könnte nur gelingen, wenn die Lieferketten geändert und die Supermärkte mit Toilettenpapier, das nach wie vor bei den Herstellern in Hülle und Fülle zu haben ist und zu haben sein wird, regelrecht zugeschüttet werden. Aber auch Logistiker haben zur Zeit Kinder zu betreuen und wahrscheinlich noch einige andere Herausforderungen, die eine höhere Priorität haben als die Bekämpfung einer Klopapier-Hysterie.

Fazit: Jeder einzelne Konsument handelt letztendlich aus seiner egoistischen Perspektive erst einmal vernünftig, aber ohne die Auswirkungen auf die anderen zu betrachten, die darunter leiden. Man spricht hier von der Diskrepanz zwischen individueller und kollektiver Rationalität: Was für das Individuum gerade sinnvoll sein mag, kann dem Kollektiv, der Allgemeinheit, schaden.


Donnerstag, 19. März 2020

Neumarkt-Platanen: Kann der Bürgerentscheid stattfinden?

Die Stadtverordneten tagen derzeit auf Minimalniveau. Alle Ausschusssitzungen wurden abgesagt, und ob die für den 30.3. geplante Plenumssitzung stattfinden kann, steht in den Sternen. Angesichts der aktuellen Situation und einer möglicherweise bevorstehenden Ausgangssperre ist auch offen, wann das Stadtparlament überhaupt wieder zusammentreten kann. Denn Letzteres (zusammentreten) muss es gemäß Hessischer Gemeindeordnung - digitale Diskussionen und Abstimmungen sind nicht möglich.

Das richtet den Blick auf das zwar objektiv bei weitem nicht wichtigste, aber doch in den vergangenen Monaten am heißesten diskutierte Thema der Stadtpolitik: die Neumarkt-Platanen. Am 7. Juni soll ein Bürgerentscheid über deren Schicksal stattfinden - soll, aber wird bzw. kann er auch stattfinden? Danach sieht es derzeit nicht aus. Aber wie wäre eine Verschiebung formaljuristisch umzusetzen, wenn das Stadtparlament, welches den Bürgerentscheid ja einstimmig festgesetzt hat, nicht tagen kann? Das alles sind derzeit sicher nicht die drängendsten, aber doch interessante Fragen.


Corona: Ein persönliches Wort des Limbloggers

Der UNO gehören 193 Staaten an, und die Bürger von rund 180 davon wären heilfroh, wenn sie die Corona-Krise bei uns in Deutschland erleben dürften. Warum ist das so? Ganz einfach: Weil unser Staat (im weltweiten Vergleich) besonders gut funktioniert. "Die Politiker" und "die Beamten" in Deutschland machen nicht nur in Krisenzeiten, sondern auch im Normalbetrieb einen (vergleichsweise) exzellenten Job.

Es ist notwendig, das einmal zu sagen, nicht zuletzt in Limburg und auf Facebook, denn auch wir waren in den vergangenen Jahren alles andere als frei von der täglichen Facebook-Hetze gegen (Kommunal-)Politiker und -Verwaltungen. Bürgermeister Dr. Hahn und seine Mitarbeiter mussten Schmähungen, Unwahrheiten und offene Beleidigungen in einem Ausmaß ertragen, das eigentlich nicht hinnehmbar ist. Seit ein paar Monaten ist an dieser "Front" ein wenig Ruhe eingekehrt, aber es besteht die Gefahr, dass die Attacken von heute auf morgen wieder losgehen.

Das bedeutet nicht, dass keine Kritik mehr erlaubt ist. Ich selbst habe, um nur ein Beispiel zu nennen, als Privatperson und über mein Blögchen Limblog massive, teils polemische Kritik an der Entscheidung geübt, die Stadtverwaltung in das Mundipharma-Gebäudezu verlagern. Über solche legitime Kritik hinaus sollten wir aber endlich aufhören, jeden Stadtpolitiker und jeden Rathausmitarbeiter als dumm, korrupt oder beides zusammen zu titulieren, wie es hier über Jahre der Fall war. Dass jemand bei einem heißen Thema (Neumarkt.Parkplätze, Rathausverlagerung, Platanen etc.) eine andere Meinung hat, ist demokratische Normalität. Keineswegs bedeutet es aber, dass dieser Andersdenkende per se nur finstere Absichten haben oder völlig ahnungslos sein kann.

Wenn diese Krise ausgestanden ist, stellen wir vielleicht fest, dass "die da oben" besser sind, als sie auf Facebook und anderswo ständig gemacht werden. Der Volksmund sagt, dass jedes Volk die Politiker hat, die es verdient. Möglicherweise wird die Krise zeigen, dass wir bessere Politiker haben als wir angesichts unseres ständigen Jammerns auf hohem Niveau eigentlich verdienen.

Ich selbst freue mich jedenfalls, dass mich in diesen Tagen parteiübergreifend Menschen regieren, denen ich zutraue, das Beste aus der Sache zu machen. Von "unten" nach "oben" sind das: Bürgermeister Marius Hahn (SPD) und Erster Stadtrat Michael Stanke (CDU), Landrat Michael Köberle (CDU) und Erster Beigeordneter Jörg Sauer (SPD), Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und sein Stellertreter Tarek Al-Wazir (Grüne) sowie - last but not least - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vizekanzler Olaf Scholz (SPD).

Stefan Schäfer, 19.3.2020

Corona im Landkreis: eine Illustration

Am vergangenen Samstag hat die Kreisverwaltung die erste bestätigte Corona-Infektion im Landkreis Limburg-Weilburg mitgeteilt, Stand heute sind wir bei 36. Nach den aktuellen Informationen ist es realistisch, von einer Verdoppelung alle drei Tage auszugehen, was folgende Entwicklung bedeuten würde:

19.3.: 36
22.3.: 72
25.3.: 144
28.3.: 288
31.3.: 576
etc.


Wenn dieser Trend nicht durch die bereits eingeleiteten Maßnahmen gestoppt wird, sind wir in vier Wochen bei über 36.000 Infizierten. Wenn davon wiederum nur 0,5% ein Intensivbett benötigen, müssten unsere beiden Krankenhäuser in Limburg und Weilburg gut 180 Intensivpatienten versorgen. Dies als kleiner Hinweis an alle, die meinen, es sei jetzt die Zeit, (analoge) Parties zu feiern.