Donnerstag, 23. Juli 2020

Luftqualität in Limburg: Haben die Messwerte etwas mit dem Verkehrsaufkommen zu tun?

Weiter geht es mit ein paar Nachforschungen zum Thema Luftqualität in Limburg. Wir hatten im April und vorgestern berichtet, dass sich an der Messstation Schiede keine für Laien erkennbare Änderung der Werte gezeigt hatten, als das Verkehrsaufkommen wegen des "Shutdowns" extrem niedrig war; es gab auch keinen Anstieg der Stickstoffdioxid-Konzentration in der Schiede-Luft, als die Corona-Maßnahmen wieder aufgehoben wurden und sich das Verkehrsaufkommen normalisierte (siehe die blaue Linie in der Grafik). Das zuständige Hessische Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (hlnug.de) begründete dies damals mit der Windrichtung. Demnach hätten die Messwerte an der Schiede eigentlich sinken müssen, taten dies aber nicht, weil der Wind mit Beginn des Lockdowns die Richtung änderte. Dies sei eine Besonderheit der Messstation an der Schiede.

Wir haben uns deshalb noch einmal die Werte der zweiten Messstation in Limburg (am Stephanshügel) angeschaut (orangene Linie in der Grafik). Hier zeigt sich zwar während der Corona-Maßnahmen ein tendenziell abnehmender Trend; allerdings hätte man hier eine abrupten Rückgang der Werte erwartet. Zudem setzt sich dieser Trend nach Beendigung der Maßnahmen, als das Verkehrsaufkommen wieder schnell anstieg, fort. Wiederum ist (zumindest für Laien) keinerlei Zusammenhang zwischen Corona-Lockdown - und damit Verkehrsaufkommen - auf der einen und Stickstoffdioxid-Ausstoß auf der anderen Seite erkennbar.

Demnächst entscheidet das Verwaltungsgericht wegen der Luftqualität in Limburg. Es droht ein Dieselfahrverbot. Das wäre jedoch vor dem Hintergrund der Daten nicht zu begründen. Vielmehr stellt sich die Frage, ob die Messwerte an den beiden Limburger Messstationen überhaupt etwas mit dem Verkehrsaufkommen zu tun haben.

Mittwoch, 22. Juli 2020

Bürgermeisterwahl: #machbar 2.0?

Bürgermeisterkandidat Stefan Laux hat im März in der Barfüßerstraße seine "#machbar" eröffnet. Dabei handelt es sich um einen kleinen Laden, der jeden Samstag und auf Vereinbarung für alle Limburger offensteht, um mit Stefan Laux über die Zukunft der Stadt ins Gespräch zu kommen. Laux will so im Dialog mit den Bürgern sein Zukunftsprogramm für Limburg entwickeln. Die Bürger nehmen dieses Gesprächsangebot sehr gut an. Der Laden brummt, und es gibt immer mehr Anfragen für Gesprächstermine außerhalb der offiziellen Öffnungszeiten.

Das jüngste in der Altstadt umlaufende Gerücht besagt nun interessanterweise, dass ein weiterer Bürgermeisterkandidat kurz davor ist, ebenfalls einen Laden anzumieten, um ebenfalls eine Anlaufstelle für die Limburger bieten zu können. Wenn das stimmt, dann gibt es demnächst eine #machbar 2.0, oder genauer gesagt: eine #nachmachbar.

Dem großen Ökonomen Joseph Schumpeter zufolge kann der Wettbewerb auf zwei Arten stattfinden. Einerseits handelt es sich dabei um den Innovationswettbewerb. Hier setzt sich durch, wer originelle Produkte mit exzellentem Preis-Leistungs-Verhältnis auf den Markt bringt. Das ist seit langem die Domäne des deutschen Mittelstandes. Daneben gibt es aber auch den Imitationswettbewerb, wie ihn beispielsweise die Chinesen meisterhaft beherrschen. Hier geht es darum, die Angebote der Marktführer möglichst billig abzukupfern.

Wenn das mit dem weiteren Laden eines weiteren Kandidaten stimmt, dann hat sich dieser Kandidat ganz eindeutig für die chinesische Form des Wettbewerbs entschieden.

Die Luftqualität in Limburg...

...ist ein Dauerbrenner der Kommunalpolitik. Zuletzt gab es Anfang April heftige Diskussionen, als die Limburger CDU nachfragte, warum die Messwerte an der Schiede nicht zurückgegangen waren, obwohl die Wirtschaft corona-bedingt im "Lockdown" und der Straßenverkehr auf ein Minimum reduziert war. Limblog führte daraufhin mit den amtlichen Daten einen Faktencheck durch, der die Beobachtung der CDU bestätigte: Die Messwerte waren vor und nach Beginn des Lockdowns annähernd gleich (Links zu den damaligen Beiträgen siehe unten).
Dem ehemaligen Staatssekretär und Limburger Bürger Karl-Winfried Seif gelang es damals, eine Einschätzung des zuständigen Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) zutage zu fördern. Demnach sind die Messwerte an der Station Schiede stark von der Windrichtung abhängig. Eigentlich hätten sie nach dem Beginn des Lockdowns sinken müssen, taten dies aber nicht, weil just zu der Zeit der Wind aus der falschen Richtung (Osten) strömte.

Wir haben unseren Faktencheck noch einmal aktualisiert und in der Abbildung die Stickstoffdioxid-Werte der Messstation Schiede im ersten Halbjahr 2020 abgetragen. Wieder zeigt sich: Ein Zusammenhang zwischen Lockdown (und damit Verkehrsaufkommen) und Luftqualität ist (jedenfalls für einen Laien) nicht erkennbar. Weder der Beginn des Lockdowns noch dessen Ende wirken sich erkennbar aus. Die Messwerte scheinen einem Zufallspfad zu folgen. Einzig die Wochenenden sind als Muster erkennbar.

Wenn das am Wind liegt, dann dürfen diese Werte keinesfalls als Grundlage für ein Dieselfahrverbot herangezogen werden!

Mittwoch, 1. Juli 2020

Corona und Karstadt zeigen: Das Rathaus gehört in die Stadt!

In einer wahrlich schwierigen Zeit erreichte Limburg kürzlich eine sehr gute Nachricht: Die Karstadt-Filiale bleibt erhalten. Und mit ihr ein breites Sortiment an Produkten, die in der Innenstadt sonst nicht mehr oder kaum noch zu finden sind. Ein Blick in Städte, die nicht so gut davongekommen sind, zeigt, worum es geht: die Zukunft unserer Stadtzentren.

Sie sind bedroht wie selten zuvor. Der langfristige Abwärtstrend des stationären Einzelhandels hat durch Corona einen kurzfristig wirksamen, heftigen Schub bekommen. Die Stadtverwaltungen sollten in dieser Situation alles tun, um die Innenstädte als Zentren der Begegnung, des Arbeitens, der Freizeit, der Kultur und des Wohnens zu erhalten. 

Im Limburger Rathaus wurde vor zwei Jahren das Gegenteil beschlossen: Der Bürgermeister und die allermeisten seiner Mitarbeiter verlassen die Innenstadt und ziehen auf die grüne Wiese in einen der Glaspaläste der ehemaligen Mundipharma-Konzernzentrale. Diese Entscheidung begründeten deren Befürworter seinerseits rein technokratisch ohne die langfristigen Folgen zu bedenken:

[1] Hunderte von Mitarbeitern verlassen die Innenstadt und fallen als Kunden in der Mittagspause sowie nach Feierabend aus.

[2] Eine Sanierung des bisherigen Standortes an der Pusteblume wäre über die gesamte Lebensdauer der Gebäude 10.000.000€ (zehn Millionen Euro) günstiger gewesen als der Kauf des Mundipharma-Areals. Dieses Geld wird in den Limburger Kindergärten, Vereinen, Grünanlagen und an vielen anderen Stellen fehlen.

[3] Die Signalwirkung ist fatal. Der Bürgermeister und die Mehrheit der Stadtverordneten teilen offiziell mit, dass es besser ist, die Limburger Innenstadt zu verlassen als in ihr zu investieren. Welches Unternehmen soll noch an unser Stadtzentrum glauben, wenn es nicht einmal die Kommunalpolitiker tun?

[4] Limburg braucht dringend neue Gewerbeflächen für ansiedlungswillige Investoren. Gleichzeitig stößt die massenweise Ausweisung von Gewerbegebieten auf immer mehr Kritik, denn das Land wird als Ackerfläche oder Grünraum dringend gebraucht. In dieser Situation erstklassige Büroräume für eine Verwaltungsnutzung zu verschwenden, statt sie am Markt anzubieten, fördert den Flächenfraß und ist nicht nachhaltig.

[5] Alle Welt versucht, unnötigen Straßenverkehr zu vermeiden. Dies tut man am besten, indem man sich dort ansiedelt, wo die Leute sowieso sind: In der Nähe von Schulen, Geschäften, Bahnhöfen, anderen Verwaltungen etc. Die Limburger Stadtverwaltung geht den entgegengesetzten Weg: Sie residiert zukünftig dort, wo sonst (fast) niemand ist (nämlich auf der Grünen Wiese) und alle erst hinkommen müssen.

Drei Worte fassen die unselige Rathausverlagerung zusammen: Sie ist teuer, rückwärtsgewandt, kurzsichtig. Und für die Limburger Innenstadt mit ihren Cafés und Geschäften potenziell tödlich.

Sonntag, 28. Juni 2020

Rechnungshof: Stadt hat Hausaufgaben nicht gemacht

Der hessische Rechnungshof hat der Stadtverwaltung eine Watsche verpasst. Bereits vor einigen Jahren war bei einer Prüfung herausgekommen, dass das Bauprojektmanagement der Stadt Limburg verbesserungsbedürftig ist. Als Anlage zur aktuellen Prüfung der Haushaltsstruktur haben die Prüfer nun aufgeführt, wie die Stadt mit den Anregungen des damaligen Prüfberichtes umgegangen ist. Dazu heißt es in Bezug auf Teilbereiche des städtischen Controllings von Bauprojekten lapidar: „Empfehlung nicht umgesetzt“.

Was hatten die Prüfer denn empfohlen? Unter anderem Wirtschaftlichkeitsvergleiche auf Basis von Lebenszykluskosten. Das bedeutet: Die Stadt sollte nach Ansicht der Fachleute bei Bauprojekten nicht (nur) darauf achten, was zum Zeitpunkt der Erstellung von Gebäuden die kostengünstigste Möglichkeit ist; vielmehr seien die Kosten über die gesamte Nutzungsphase einer Immobilie zu betrachten. Soll heißen: Billiges Bauen kann ganz schön teuer werden, wenn in späteren Jahren hohe Instandsetzungs- und andere Kosten drohen. Da ist es gegebenenfalls besser, anfangs ein wenig mehr zu investieren, damit später keine teuren Überraschungen drohen. Die vom Rechnungshof angemahnte Lebenskostenanalyse würde aufdecken, wie viel Projekte auf lange Sicht wirklich kosten. So will die Stadtverwaltung aber nicht arbeiten.

Wie wichtig eine solche Lebenszyklusbetrachtung ist, hat die Debatte um die Verlagerung des Rathauses auf die grüne Wiese in den Mundipharma-Glaspalast (Foto) gezeigt. Damals jonglierte die Stadtverwaltung mit allen möglichen Zahlen, um Bürgern und Stadtverordneten den heiß ersehnten Umzug in die schicken Büros auf der Dietkircher Höhe schmackhaft zu machen. Erst auf Druck einzelner Stadtverordneter legte die Kämmerei damals eine Berechnung der Lebenszykluskosten aller diskutierten Varianten vor. Und siehe da: es kam heraus, was man so gerne verschwiegen hätte: Über vierzig Jahre gerechnet ist die Mundipharma-Variante 10 Millionen Euro teurer, als es der Verbleib der Verwaltung in der Innenstadt gewesen wäre. Die Stadtverwaltung ist trotzdem umgezogen. Das ist ein Thema, dem wir uns demnächst noch einmal widmen werden.

Der Rechnungshof will mit seiner Anregung, bei Bauprojekten grundsätzlich mit Lebenszyklusvergleichen zu arbeiten, erreichen, dass von vorneherein langfristig gedacht und geplant wird. Das Mundipharma-Millionen-Grab zeigt, dass Limburg davon noch weit entfernt ist.

Die Rathausverlagerung in die ehemalige Mundipharma-Konzernzentrale kostet 10 Mio. Euro mehr als ein Verbleib der Verwaltung in der Innenstadt. Foto: Limblog

Donnerstag, 18. Juni 2020

Neumarkt-Bürgerentscheid wird überflüssig

Die CDU-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung vollzieht eine (vorläufige) Kehrtwendung in Sachen Neumarkt-Neugestaltung: Die soll nach Ansicht der Christdemokraten nämlich wegen der Corona-bedingten Steuermindereinnahmen bis auf Weiteres verschoben werden. Dadurch würde der für Anfang November geplante Bürgerentscheid überflüssig werden.

Die CDU meint, das weniger reichliche Steuergeld solle jetzt lieber zunächst in die Kindergärten, die Verkehrsinfrastruktur, die Vereine, die Feuerwehren, die historische Bausubstanz (Schloss) und in ein modernes Stadtmarketing investiert werden. Außerdem würde eine Neugestaltung des Neumarktes eine gut und gerne einjährige Dauerbaustelle im Herzen der Stadt mit sich bringen. Eine solche Zusatzbelastung könnten die dortigen Geschäfte gerade in der derzeitigen schwierigen Situation nicht verkraften.

Sollte sich die CDU mit ihren Argumenten durchsetzen, würde der für Anfang November geplante Bürgerentscheid über den Neumarkt überflüssig.

Die vollständige Pressemitteilung der Christdemokraten finden Sie hier.


Mittwoch, 17. Juni 2020

Gute Argumente, zu spät vorgetragen

Die Aufstockung des Dom-Hotels erregte im Januar/Februar die Gemüter. Die Gegner des Projektes sprachen von einem Anschlag auf die Altstadt und verfassten offene Briefe, die die Unterschriften bundesweit bekannter Denkmalschutz- und Architekturkoryphäen trugen.

Die Nassauische Neue Presse hat jetzt, wo das Projekt vor dem Abschluss steht, den Architekten André Kramm zu Wort kommen lassen. Dessen Argumentationsführung ist so interessant, dass man sich fragt, warum Hotelier und Baumeister ihre Gründe nicht schon viel früher auf diese eingängige Weise publik gemacht haben. Ganz offensichtlich liegen ihre jeweiligen Stärken in der BWL und in der Architektur, nicht aber in der Öffentlichkeitsarbeit.

Wer das Interview liest, kann übrigens auch Einiges über die Bedeutung moderner Architektur für die Fortentwicklung - und gleichzeitig Erhaltung - eines attraktiven Altstadtbildes lernen.
Unser Foto zeigt den Stand der Bauarbeiten von der Fleischgasse aus im Februar. Wer dem NNP-Link folgt, kann auch das Endergebnis sehen.