Beruflich beschäftige ich mich in meinen Publikationen zum einen mit der Zukunft des Geldes (Bitcoin, Digitaler Euro etc.), zum anderen aber auch mit der deutschen und europäischen Währungsgeschichte. Privat bin ich ehrenamtlich in Limburg auf den Gebieten Kommunalpolitik, Denkmalschutz/Altstadtsanierung sowie Lokalgeschichte aktiv. Kürzlich bin ich bei beruflichen Recherchen im Bereich Währungsgeschichte tatsächlich auf eine Quelle gestoßen, die auch lokalhistorisch von Interesse ist.
Es geht um das Buch „The Bundesbank“ von David Marsh. Dort geht es um personelle Kontinuitäten von der Reichsbank der Weimarer Republik und des „Dritten Reichs“ zur Bank deutscher Länder bzw. Bundesbank nach dem Zweiten Weltkrieg. Marsh schreibt über Wilhelm Könneker, der ab 1948 stellvertretender Präsident des Direktoriums der Bank deutscher Länder war (eigene Übersetzung):
„Als Direktor der Reichsbankfiliale in Limburg … geriet er wegen seiner Weigerung, in die Partei einzutreten, in Konflikt mit den lokalen Nazis. 1938 widersetzte er sich der Anordnung, die Kreditvergabe an einen jüdischen Pferdehändler zu stoppen, der sein Geschäft dann schließlich schließen musste.“
Das habe angeblich die Amerikaner beeindruckt, die ihn dann zum Reichsbankbeauftragten in der US-Besatzungszone gemacht hätten. Als Quelle für die Angelegenheit mit dem Pferdehändler zieht Marsh Könnekers Selbstauskunft gegenüber den alliierten Militärbehörden heran.
Ein bedeutender „Vater der D-Mark“ war also einige Zeit in der „Reichsbanknebenstelle Limburg“ (siehe Foto) aktiv. Informationen zu diesem stadtbildprägenden Gebäude im Kommentar. Das Gebäude beherbergte die Filiale der Landesentralbank Hessen bis ungefähr zur Jahrtausendwerke. Heute ist es in Privatbesitz und wird von einer sozialen Einrichtung genutzt.
Ob Könneker wirklich eine gänzlich weiße Weste hatte, wird sich zeigen. Im Auftrag der Bundesbank wird dieser Teil der deutschen Geldgeschichte gerade intensiv erforscht. Eine Broschüre mit einer Zusammenfassung der bisherigen Erkenntnisse für die Öffentlichkeit ist im Internet verfügbar.
